Zisterzienser gehen "lange ersehnten Schritt"

Mönche feiern Richtfest für Übergangs-Kloster in Neuzelle

Mönche feiern Richtfest für Übergangs-Kloster in Neuzelle
Bild: Fotolia.com/LianeM

Die künftige Heimat der Zisterziensermönche in Brandenburg nimmt Formen an: Diesen Samstag steigt das Richtfest des temporären Klosters im Neuzeller Ortsteil Treppeln. Dort soll der Bernhardshof, ein baufälliger Vierseithof, für 5,6 Millionen Euro zu einem Kloster auf Zeit für bis zu 14 Mönche werden – denn auf dem historischen Klostergelände reicht der Platz, den die Mönchsgemeinschaft derzeit als Unterkunft nutzen kann, nicht mehr.

"Es ist ein lange ersehnter Schritt und auch die Frucht jahrelanger Arbeit", sagt der stellvertretende Leiter der Niederlassung, Pater Kilian Müller, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Und diese Arbeit ist auch noch lange nicht abgeschlossen, da perspektivisch ein anderer, komplett neuer Klosterkomplex entstehen soll. Doch zunächst ein Blick zurück.

Als ins Kloster neues Leben kam

Begonnen hat alles mit der Rückkehr der Mönche vor neun Jahren. Nach 200 Jahren Unterbrechung leben seit 2017 wieder Zisterziensermönche im Osten Brandenburgs. Auf Initiative des katholischen Görlitzer Bischofs Wolfgang Ipolt siedelten sich Mönche aus dem österreichischen Stift Heiligenkreuz auf dem Gelände des alten Barockklosters Neuzelle an. Ein Jahr später folgte die offizielle Gründung des Priorats Neuzelle. So wurde dem imposanten Kloster aus dem 13. Jahrhundert, das 1817 säkularisiert und in ein preußisch-staatliches Stift überführt wurde und heute eine staatliche Stiftung ist, wieder neues geistliches Leben eingehaucht.

Die Rückkehr galt durchaus als kleine Sensation, da anstelle von Klostergründungen eher Schließungen in Deutschland die Regel sind. Doch schon seit der Wiedererrichtung des Klosters war die Wohnsituation der Mönche ein Problem: Die Gebäude des ursprünglichen Klosters gehören dem Land Brandenburg und können von den Mönchen kaum genutzt werden. Im historischen Wohn- und Arbeitsbereich der Mönche ist inzwischen ein Gymnasium, im Kreuzgang befindet sich ein Museum und in den früheren Räumen des Abtes sitzt die Stiftungsverwaltung.

Für die Mönche ist nur im ersten Stock des benachbarten Pfarrhauses Platz. Der jedoch reiche nicht mehr aus. "Hier haben nur sieben Mönche Platz", erklärt Pater Kilian, der die Unterkunft auch als "Mönchs-WG" bezeichnet. "Wenn alle Zisterzienser aus Neuzelle sowie die angehenden Mönche vor Ort sind, sind wir momentan zu elft – und weitere Kandidaten stehen vor der Tür." Teils müssten Gäste sogar in einem Wohnwagen schlafen. Die Gemeinschaft wolle wachsen, was im Pfarrhaus nicht gehe.

Neubau auf ehemaligem Stasi-Gelände

Also haben sich die Zisterzienser schon vor einigen Jahren für den Bau eines gänzlich neuen Klosters entschieden. Knapp acht Kilometer entfernt von Neuzelle, in einem Wald im Ortsteil Treppeln, soll künftig das Kloster "Maria Friedenshort" entstehen. Ein Gelände mit Geschichte: In der DDR wurde das etwa 75 Hektar große Areal von der Staatssicherheit genutzt. 2022 starteten erste Abrissarbeiten der insgesamt 27 Gebäuderuinen.

Bild: © dpa/Patrick Pleul

"Es ist ein lange ersehnter Schritt und auch die Frucht jahrelanger Arbeit", sagt Pater Kilian Müller.

Doch der Bau des neuen Klosters verzögert sich, vor allem aus Gründen des Planungsrechts. Daher hat der Konvent, sprich die Klostergemeinschaft, schon 2023 den nahe gelegenen Bernhardshof erworben, auf dem jetzt das Richtfest für das provisorische Kloster ansteht. Bis zu 14 Mönche sollen dort unterkommen können.

Aus altem Stall soll Küche werden

In einer alten Scheune soll eine Kapelle entstehen, im früheren Wohnhaus des Bernhardshofs Büroräume und einige Gästezimmer. Aus einem alten Stallgebäude sollen eine Küche und ein angeschlossener Speisesaal, ein sogenanntes Refektorium, werden. Als Material wird überwiegend Holz verwendet. Pater Kilian begründet das mit Nachhaltigkeit und einem reduzierten Energieverbrauch. "Und wenn das Gebäude doch in ein paar hundert Jahren mal abgerissen werden sollte, dann wird der Bauschutt größtenteils aus Holz bestehen und nicht aus Sondermüll."

Die Brutto-Gesamtbaukosten belaufen sich den Angaben zufolge auf 5,6 Millionen Euro; das Projekt wird aus Spenden getragen. Einziehen können die Mönche allerdings noch nicht. Wenn am Samstag das Richtfest gefeiert wird, ist noch nicht allzu viel zu sehen, bislang steht erst das Erdgeschoss. Das hat laut Pater Kilian mit Verzögerungen bei Genehmigungen und dem kalten Winter zu tun. "Dass wir nun nicht ganz so weit sind, wie ursprünglich gedacht, hält uns vom Richtfest aber nicht ab."

Richtfest mit Glocke

Am Samstag soll dann trotzdem schon einiges zu sehen sein. "Wir werden die Baustelle und auch die zukünftige Glocke segnen", kündigt Pater Kilian an. "Auch wenn es noch ein paar Monate dauern wird, bis sie am vorgesehenen Platz das erste Mal läuten wird." Ende September schließlich soll der Innenausbau des Rohbaus beginnen, zu Pfingsten 2027 wollen die Mönche dann einziehen.

Daniel Zander (KNA)