Drei Tage nach dem aus gesundheitlichen Gründen erfolgten Rücktritt von Bischof Karl-Heinz Wiesemann hat das Speyerer Domkapitel am Samstag den bisherigen Generalvikar Markus Magin zum Diözesanadministrator des Bistum Speyer gewählt. "Magin hat die Wahl angenommen und übernimmt damit ab sofort übergangsweise die Leitung des Bistums", teilte die Diözese mit. Der 51-Jährige wird das Bistum voraussichtlich bis zum Amtsantritt eines neuen Bischofs führen.
Magin wurde 1965 in Ludwigshafen geboren und wuchs in Mutterstadt auf. Nach einer Ausbildung zum Feinmechaniker studierte er Theologie und wurde 1994 zum Priester geweiht. Nach mehreren Station in der Seelsorge leitete er ab 2009 als Regens das Priesterseminar St. German in Speyer. Am 13. Mai 2022 war Magin schließlich von Bischof Wiesemann zum Generalvikar des Bistums Speyer ernannt worden. Dieses Amt hatte er bis zum Rücktritt Wiesemanns am Mittwoch inne.
Abschiedsgottesdienst für Wiesemann am 13. September
Ein Diözesanadministrator hat grundsätzlich die gleichen Rechte und Pflichten wie ein Diözesanbischof, darf aber "keine Entscheidung treffen, die den nächsten Bischof binden oder in seiner Amtsführung hindern könnte". Wie lange die bischofslose Zeit in Speyer dauert, ist nicht absehbar. Meist sind Bischofssitze in Deutschland aber mindestens ein Jahr vakant.
Das Bistum teilte am Samstag zugleich mit, dass der Abschiedsgottesdienst für Bischof Wiesemann am 13. September um 15 Uhr im Speyerer Dom stattfinden soll. Papst Leo XIV. hatte das Rücktrittsgesuch des 66-Jährigen am Mittwoch angenommen, nachdem dieser aus gesundheitlichen Gründen um seine Entpflichtung vom Amt des Diözesanbischofs gebeten hatte. Wiesemann, der zuvor Weihbischof im Erzbistum Paderborn gewesen war, hatte das Bistum Speyer seit 2008 geleitet. (stz)
Bistum Speyer
Das Bistum Speyer ist eine der ältesten deutschen Diözesen. Sie erstreckt sich auf einer Fläche von 5.893 Quadratkilometern. Das Bistum umfasst die Pfalz im Bundesland Rheinland-Pfalz und den Saarpfalz-Kreis im Saarland. In seinen heutigen Grenzen besteht das Bistum seit 1817.
Sicher bezeugt ist es ab dem Jahr 614, seine Anfänge dürften aber bis ins vierte Jahrhundert zurückreichen. Im Zuge der Französischen Revolution und der napoleonischen Wirren wurde die Diözese neu geordnet und 1817 im linksrheinischen Gebiet des damaligen Königreichs Bayern neu errichtet. Das ist der Grund dafür, dass der Bischof von Speyer bis heute Mitglied der Freisinger Bischofskonferenz in Bayern ist.
Die Zahl der Katholikinnen und Katholiken im Bistum Speyer lag im Jahr 2025 bei 423.000 – und sank damit vor allem wegen der hohen Zahl von Kirchenaustritten im Vergleich zum Vorjahr 2024 um rund 3,4 Prozent. Von 2008 bis zu seinem Rücktritt am Mittwoch war Karl-Heinz Wiesemann Bischof der Diözese Speyer. Seine Amtsvorgänger waren Anton Schlembach (1983–2007), Friedrich Wetter (1968–1982), Isidor Markus Emanuel (1953–1968) und Joseph Wendel (1943–1952).
Zeugnis von historischer Größe und Bedeutung des Bistums gibt der bald 1.000 Jahre alte Speyerer Kaiser- und Mariendom. Hier sind mehrere mittelalterliche Kaiser begraben. Das größte erhaltene romanische Gotteshaus der Welt zählt seit 1981 zum Weltkulturerbe. (KNA)