Internationaler Gedenktag

Beobachtungsstelle: Opfer religiöser Verfolgung zu wenig beachtet

Ein verbogenes Kreuz auf einem Zaun vor düsterem bewölktem Himmel
Bild: KNA/Karin Leukefeld

Menschen, die wegen ihrer Religion verfolgt werden, erhalten aus Sicht einer internationalen Fachstelle zu wenig Beachtung. "Andere Menschenrechtsanliegen mobilisieren große Teile unserer Gesellschaften, während Opfer von religiöser Verfolgung oft darum kämpfen müssen, sich Gehör zu verschaffen", sagte die Geschäftsführerin der in Wien ansässigen Beobachtungsstelle für Intoleranz und Diskriminierung gegen Christen in Europa (OIDAC Europe), Anja Tang.

Leiden fernab der Kameras

OIDAC äußerte sich laut einem Bericht der österreichischen Nachrichtenagentur Kathpress zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer von Gewalthandlungen aufgrund der Religion oder der Weltanschauung am Samstag. Der 22. August solle daher ein Weckruf sein "und vor allem ein Tag, an dem wir derer gedenken, deren Leiden fernab der Kameras stattfindet", so Tang.

Die OIDAC-Geschäftsführerin erinnerte an den Mord an Ashur Sarnaya in Frankreich im September 2025. Der irakische Christ, der vor der Verfolgung durch den IS geflohen war, wurde in Lyon erstochen, während er auf Tiktok live über seinen Glauben sprach. Eine tragischere Geschichte sei kaum vorstellbar, erklärte Tang. "Dennoch ist der Name Ashur Sarnaya außerhalb Frankreichs nahezu unbekannt, und sein Tod wurde von den großen säkularen Nachrichtenmedien weitgehend übersehen."

Auch Minderjährige unter den Betroffenen

Mehr Aufmerksamkeit fordert die Beobachtungsstelle auch für die Situation von Mädchen aus religiösen Minderheiten in Pakistan. Menschenrechtsexperten weisen immer wieder auf Fälle von Entführungen, Zwangskonvertierungen und Zwangsheiraten hin. Erst jüngst habe der Bericht "Stolen Girls" der Menschenrechtsorganisation Jubilee Campaign 210 Fälle von Entführungen, erzwungenen Religionswechseln und Zwangsheiraten christlicher Mädchen zwischen 2019 und 2025 dokumentiert, so OIDAC.

Unter den Betroffenen seien auch Minderjährige, die aus ihren Häusern entführt, anschließend zum Islam bekehrt und mit deutlich älteren Männern verheiratet worden seien, während ihre Familien vergeblich versucht hätten, wirksamen Schutz von den Behörden zu erhalten. (KNA)