Durch glaubhafte "Absage an vergöttlichte Gewalt"

Theologe: Religionen können Terrorismus den Boden entziehen

Theologe: Religionen können Terrorismus den Boden entziehen
Bild: Privat

Religionen können nach Meinung von Wolfgang Palaver durch eine glaubhafte "Absage an vergöttlichte Gewalt" Terrorismus entgegentreten und Gesellschaften resilienter machen. Der emeritierte Professor für Christliche Gesellschaftslehre bilanziert in der September-Ausgabe der "Herder Korrespondenz": Offenheit für religiösen Pluralismus schwäche religiöse Antriebe zur Gewalt.

Die plötzliche Konfrontation mit der Sterblichkeit, wie sie die Terroranschläge vom 11. September vor 25 Jahren vor Augen führten, löse bei den meisten Menschen ein "verstärktes Feinddenken und die Suche nach Sündenböcken aus". Die Mehrheit neige dazu, um den Gedanken an die eigene Sterblichkeit zu bewältigen, ihr eigenes Weltbild zu stärken. Andere Weltbilder würden dabei als feindlich abgewertet. "So wurden Muslime zunehmend als bedrohliche Feinde wahrgenommen", schreibt der Österreicher Palaver.

Gewalttätige und gewaltfreie Religion?

Der Krieg gegen den mehrheitlich muslimischen Irak im Jahr 2003 müsse als Ventil der US-Gesellschaft verstanden werden, um die plötzliche Konfrontation mit der eigenen Sterblichkeit bewältigen zu können. Palaver schildert, es habe wiederholt Versuche gegeben, das Christentum als "zutiefst gewaltfreie Religion" gegenüber einem zur Gewalt neigenden Islam abzusetzen. Doch: "Spätestens seit dem von der russisch-orthodoxen Kirche legitimierten Angriffskrieg gegen die Ukraine erweisen sich solche oberflächlichen Zuschreibungen als unhaltbar."

Wer offen für den Pluralismus verschiedener Wege sei, müsse nicht feindlich gegenüber anderen ausgerichtet sein. "Menschen, die von dieser Weltsicht geformt sind, bleiben auch angesichts der Konfrontation mit der Sterblichkeit tolerant. Entwicklungen in den Weltreligionen in Richtung einer Offenheit für den weltanschaulichen und religiösen Pluralismus stärken das friedliche Miteinander in der Welt", so der Theologe.

Papst Franziskus und der Kairoer Großimam Ahmad Al-Tayyeb hätten in einem gemeinsamen Dokument aus dem Jahr 2019 alle Versuche zurückgewiesen, Gott mit Gewalt in Verbindung zu setzen. Papst Leo XIV. ergänzte 2026 in seiner ersten Enzyklika: "Diejenigen, die den Namen Gottes benutzen, um Terrorismus, Gewalt oder Krieg zu legitimieren, verraten sein Antlitz: Im Namen der Religion zu kämpfen, bedeutet in Wirklichkeit, die Religion selbst anzugreifen." (KNA)

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