Friedensinitative „Jerusalem Voice for Justice“

Christliche Stimmen appellieren gegen das Vergessen von Gaza

Michel Sabbah, emeritierter Lateinischer Patriarch von Jerusalem, am 18. Januar 2026 in Taibeh (Palästinensische Gebiete).
Bild: KNA/Andrea Krogmann

Die Friedensinitiative "Jerusalem Voice for Justice" warnt mit einem Appell vor einer Gewöhnung an das Leid in Gaza und vor einer Eskalation der Lage im Westjordanland. Die Unterzeichner – darunter der emeritierte lateinische Patriarch von Jerusalem, Michel Sabbah, der emeritierte lutherische Bischof Munib Younan und der griechisch-orthodoxe Erzbischof Atallah Hanna – rufen Kirchen, politische Entscheidungsträger und die internationale Öffentlichkeit zum Handeln auf.

Das Geschehen in Gaza dürfe nicht nur eine bloße Nachricht bleiben, heißt es in dem Appell. Die Unterzeichner fordern ein Ende von Tötung, Zerstörung und Hunger, den Schutz der Zivilbevölkerung und ungehinderten Zugang zu humanitärer Hilfe. Jedes menschliche Leben sei heilig; Frieden könne nicht auf den Ruinen eines Volkes entstehen. Voraussetzung für einen gerechten Frieden sei Gleichheit für alle Menschen im Land.

Gegen Siedlungsbau und Gewalt

Auch im Westjordanland einschließlich Ostjerusalem sehen die Unterzeichner eine wachsende Gefahr. Sie kritisieren Siedlungsausbau, Gewalt, Checkpoints und Bewegungseinschränkungen. Außerdem missbilligen sie erschwerten Zugang zu Arbeit, Gesundheitsversorgung und zu den heiligen Stätten. Die Autoren warnen vor einer zunehmenden Auswanderung palästinensischer Christen. "Wir, christliche Palästinenser, sind keine Relikte der Vergangenheit", so der Appell. "Wir gehören zu diesem Land und sind ein integraler Bestandteil seiner Menschen, seiner Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft." Christen und Muslime seien ein Volk und müssten ihre Zukunft gemeinsam auf Grundlage gleicher Rechte, Menschenwürde und gegenseitigen Respekts gestalten.

An die christlichen Palästinenser richtet der Appell die Aufforderung, trotz Angst und schwieriger Lebensbedingungen nicht aufzugeben. Kirchen und christliche Institutionen sollten Arbeitsplätze, Bildung, Wohnraum sowie junge Menschen und Familien unterstützen und sich stärker für die Rechte der Bevölkerung einsetzen. Die Unterzeichner appellieren außerdem an politische und militärische Entscheidungsträger, insbesondere an die USA, ihre Verantwortung wahrzunehmen und Töten, Vertreibung und Zerstörung zu stoppen. (KNA)