Personalpolitik ganz ohne rosarote Brille

Papst Leo XIV. setzt bei Personalentscheidungen verstärkt auf Frauen

Maria Montserrat Alvarado sitzt Papst Leo an einem Schreibtisch gegenüber.
Bild: KNA/Vatican Media/Romano Siciliani

"Der Vatikan wird rosa", titeln Italiens Medien, wenn der Papst wichtige Posten in seinen Institutionen an Frauen vergibt. Nach den jüngsten Entscheidungen sprechen einige gar von einer "rosa Linie" des Papstes. Doch anders als die öffentliche Debatte in Italien scheint sich das Kirchenoberhaupt weniger an Geschlechterstereotypen als an fachlicher Kompetenz zu orientieren. Eine Entwicklung, die bereits unter Franziskus begonnen hat.

Damit wäre der medialen Aufregung im Grunde schon Genüge getan. Doch Leo XIV. setzt bei seinen Berufungen auch auf sogenannte junge Frauen – jünger jedenfalls als der sonstige Altersdurchschnitt des Führungspersonals. So schlug die Ernennung zweier Frauen unter 40 Jahren in dem von Kardinal Reinhard Marx koordinierten Wirtschaftsrat ebenfalls hohe Wellen. Vermutlich um ein noch größeres Echo zu vermeiden, hatte der Vatikan bei der Bekanntgabe seiner neuen Medienchefin darauf verzichtet, auch nur ein Geburtsjahr anzugeben. María Montserrat Alvarado, die das Amt im November antreten wird, ist dann gerade noch 39 Jahre alt – und Laiin.

Das gilt ebenso für Elena Wettstein Principato. Die Römerin wurde in den Wirtschaftsrat berufen, der die finanziellen Angelegenheiten des Vatikans überwacht. Die Wirtschaftswissenschaftlerin verfügt über langjährige internationale Erfahrung im Vermögensmanagement und leitet seit Anfang 2025 das Vertriebsmanagement Europa International der Schweizer Großbank UBS.

Auch Franziskus holte Frauen in den Wirtschaftsrat

Neben ihr ernannte Leo XIV. Gisela Bergmann, gebürtige Prinzessin von und zu Liechtenstein, zum Mitglied des 2014 von Papst Franziskus gegründeten Gremiums. Die 36-Jährige ist seit 2022 Vorstandsvorsitzende des liechtensteinischen Treuhandunternehmens Industrie- und Finanzkontor Etablissement. Zuvor arbeitete die gebürtige Österreicherin im Investmentbanking und im Ingenieurwesen in London, Kanada, Singapur und der Schweiz.

Mit ihnen beaufsichtigen aktuell vier Frauen die wirtschaftlichen Angelegenheiten des Vatikans. Papst Franziskus holte im Jahr 2020 sechs Frauen in das Gremium mit acht Kardinälen und sieben Nicht-Purpurträgern. Aktuell zählen dazu auch die Düsseldorfer Juraprofessorin Charlotte Kreuter-Kirchhof (56), die als Stellvertreterin von Kardinal Marx fungiert, sowie Leslie Jane Ferrar (71), frühere Schatzmeisterin des damaligen Prinzen Charles, des heutigen britischen Königs.

Ordensfrauen übernehmen schon seit längerem zunehmend wichtige Aufgaben im Vatikan. Die Don-Bosco-Schwester und Wirtschaftswissenschaftlerin Alessandra Smerilli (51) wird ab 1. September das vatikanische Entwicklungsministerium leiten. Simona Brambilla (61) steht seit Anfang 2025 an der Spitze des Ordensdikasteriums. Die Sozialwissenschaftlerin Raffaella Petrini (57), die der Kongregation der Franziskanerinnen von der Eucharistie angehört, ist Regierungschefin der Vatikanstadt. Auch in den Beratungsgremien der römischen Kurie wächst der weibliche Einfluss. Unter Franziskus wurden erstmals Frauen zu Beraterinnen der Behörde für die Glaubenslehre ernannt. Leo XIV. berief kürzlich sechs hochrangige Ordensschwestern in den Beraterstab des Ordensdikasteriums.

Schwester Simona Brambilla
Bild: © picture alliance / abaca | IPA/ABACA (Archivbild)

Schwester Simona Brambilla ist Präfektin des Ordensdikasteriums und übernahm als erste Frau das Amt der Präfektin.

Unter diesen ist die wohl bekannteste und einflussreichste Beraterin Patricia Murray, elf Jahre lang Generalsekretärin der Internationalen Vereinigung der Generaloberinnen (UISG). Seit 2023 berät sie das Bildungsdikasterium. Zudem nahm sie wahlberechtigt an der Weltsynode für eine synodalere Kirche teil und war die erste Frau in der Geschichte der Kirche, die an deren Abschlussdokument mitwirkte. Die Irin setzt sich dafür ein, dass mehr Frauen Führungsrollen in der katholischen Kirche übernehmen – auch außerhalb der sehr sichtbaren Positionen im Vatikan.

Für mehr Mitbestimmung und gegen Missbrauch von Ordensfrauen setzt sich Maria Nirmalini ein. Sie wurde als erste Ordensschwester aus Indien zur Beraterin einer Vatikanbehörde ernannt. Seit 2020 leitet sie die Kongregation der Apostolischen Karmelitinnen. Darüber hinaus ist Nirmalini Präsidentin der Vereinigung indischer Ordensfrauen sowie Vize von Indiens Ordenskonferenz. Wie Murray nahm auch sie an der Weltsynode teil.

Mary Makamatine Lembo lehrt Psychologie an der Päpstlichen Universität Gregoriana und leistet wichtige Forschungsarbeit zu Missbrauch an Ordensfrauen in Afrika. Sie fordert bessere Ausbildungsprogramme und Präventionskonzepte, um Ordensfrauen zu schützen. Die Togolesin ist Generalvikarin der Katharinenschwestern.

Frauen aus unterschiedlichen kulturellen Kontexten

Die Mexikanerin María Rosaura González Casas von der Gesellschaft der heiligen Teresa de Jesús befasst sich ebenfalls mit dem Missbrauch von Ordensfrauen. Sie ist außerordentliche Professorin und Pro-Direktorin des Instituts für Psychologie an der Gregoriana. Schwester Maria do Disterro Rocha Santos steht allen Ordensleuten Brasiliens vor, die Italienerin Chiara Lorenzato ist weltweite Leiterin der Franziskanischen Klarissen.

Die Internationale Vereinigung der Generaloberinnen mit Sitz in Rom begrüßte die jüngsten Ernennungen der sechs Ordensfrauen durch den Papst. "Die Anwesenheit dieser geweihten Frauen, die aus unterschiedlichen geografischen, kulturellen und charismatischen Kontexten stammen, ist ein wichtiger Beitrag zur Reflexion der Kirche über das geweihte Leben", heißt es in ihrem Statement.

"Ihre vielfältigen Erfahrungen in den Bereichen Leitung, Ausbildung, Theologie, Psychologie und Begleitung des Ordenslebens werden die Entscheidungsfindung des Dikasteriums bereichern." Offenbar sah das Leo XIV. ähnlich, als er sich für seine neuesten Besetzungen entschieden hat – ganz ohne rosarote Brille.

Severina Bartonitschek (CIC)

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