"Konstruktives" Gespräch mit Lawrow

Vatikan-Außenbeauftragter in Moskau: Ukraine-Krieg muss enden

Erzbischof Gallagher und Außenministrer Lawrow
Bild: IMAGO/SNA

Der vatikanische Außenbeauftragte, Erzbischof Paul Richard Gallagher, hat bei einem gemeinsamen Pressetermin mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow den Ukraine-Krieg verurteilt. "Dieser Krieg muss enden", sagte er am Dienstag in Moskau. Der Konflikt könne nicht militärisch gelöst werden.

Gallagher bezeichnete sein Gespräch mit Lawrow als freundlich und konstruktiv. Der Heilige Stuhl werde weiter spirituell, diplomatisch und humanitär helfen, um Raum für Dialog zu schaffen. "Wir bieten unsere guten Dienste in jeder hilfreichen Weise an, in der Hoffnung, dass der so sehr herbeigesehnte Frieden so bald wie möglich erreicht werden kann", so der britische Vatikan-Diplomat. "Das ist mein aufrichtiger Wunsch für die Menschen in der Russischen Föderation, für das ukrainische Volk und für alle, die weiter unter diesem tragischen Krieg leiden."

Jeder Tag, an dem der Krieg andauere, fordere neue Opfer und erschwere die künftige Versöhnung immer mehr, warnte Gallagher. Man müsse sicherstellen, dass die Erinnerung an vergangenes Unrecht nicht zu einem Gefängnis und "das gegenwärtige Leid nicht zu einem Erbe des Hasses wird". Er mahnte ausdrücklich beide Kriegsparteien zur Einhaltung der Grundsätze der Charta der Vereinten Nationen und des humanitären Völkerrechts.

Religionsfreiheit eingeschränkt

Gallagher sprach bei dem Treffen mit seinem Moskauer Amtskollegen laut eigenen Angaben auch die Situation und die Bedürfnisse der katholischen Kirche in Russland an – "insbesondere im Hinblick auf die Seelsorge für die Gläubigen" sowie karitative und humanitäre Initiativen. Die russischen Behörden hatten die Religionsfreiheit zuletzt eingeschränkt. Sie nahmen auch katholische Geistliche ins Visier, so dass manche das Land verlassen mussten.

"Im derzeit schwierigen Klima der internationalen Beziehungen ist Dialog wichtiger denn je, die Welt braucht Diplomatie mehr denn je", betonte der Kurienerzbischof. Lawrow erklärte, Moskau wolle den "vertrauensvollen, respektvollen Dialog" mit dem Vatikan fortsetzen. So ließen sich hoffentlich positive und umsetzbare Lösungen finden.

Die vatikanische Politik gegenüber Kiew hat sich nur im Ton gewandelt

Vatikan-Vertreter gaben sich unlängst in der Ukraine beinahe die Klinke in die Hand. Deutlicher denn je zeigt der Heilige Stuhl seine Solidarität mit der Ukraine. Doch auch für Papst Leo XIV. ist der Spielraum begrenzt.

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Es ist der erste Besuch Gallaghers in Russland seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine vor viereinhalb Jahren. Am Mittwoch will er den außenpolitischen Berater von Russlands Präsidenten Wladimir Putin, Juri Uschakow, treffen.

Gallagher hatte vor einem Monat in der Ukraine mit Präsident Wolodymyr Selenskyj und Außenminister Andrij Sybiha gesprochen. Der vatikanische Außenminister besuchte die Ukraine bereits im ersten Kriegsjahr 2022.

Das Staatssekretariat des Heiligen Stuhls veröffentlichte nach dem jetzigen Treffen Gallaghers mit Lawrow Fotos im Internet, die beide Außenminister beim Handschlag sowie die beiden Delegationen im Gespräch zeigen. Dabei sitzen fünf Vatikanvertreter auf der einen und zehn Vertreter Russlands auf der anderen Seite. Im Text heißt es, man habe auch über "Friedensperspektiven gesprochen".

Vielfältige vatikanische Bemühungen

Der Vatikan bemüht sich besonders um die Heimkehr von Kriegsgefangenen, inhaftierten Zivilisten und nach Russland verschleppten ukrainischen Kindern und Jugendlichen. Gallagher ist bis Freitag in Moskau. Geplant sind auch Treffen mit dem Leiter des Außenamts der russisch-orthodoxen Kirche, Metropolit Antonij, und der katholischen Gemeinschaft des Landes. Der Kurienerzbischof leitet im vatikanischen Staatssekretariat die Abteilung für die Beziehungen zu den Staaten und internationalen Organisationen. Zuletzt besuchte er im November 2021 Russland.

Gallaghers letzter bekannter Kontakt mit Lawrow war ein Telefonat im April 2025. Auch damals ging es um den Ukraine-Krieg. Zuvor hatte Lawrow im Oktober 2024 den päpstlichen Sondergesandten für Frieden in der Ukraine, Kardinal Matteo Zuppi, in Moskau empfangen. (KNA)