Wechselnde Ausstellungen

Das "Paulus": Münsters neues Dommuseum will sich dem Dialog stellen

Ausstellung im Paulusmuseum
Bild: KNA/Roland Juchem

Zwei leicht überlebensgroße Figuren stehen sich im Torhaus zum Paulus gegenüber: "Standing man, standing woman" des britischen Künstlers Sean Henry symbolisieren das Gespräch, in dem die katholische Kirche in Münster künftig Bewohnern und Besuchern der Domstadt einen religiösen und geschichtlichen Dialog anbieten möchte. Der Ort dafür ist das "Paulus", wie das neue Dommuseum genannt wird, das am Donnerstag seine Pforten öffnet.

Es ersetzt die alte Domschatzkammer, die vor fünf Jahren wegen baulicher und technischer Mängel geschlossen werden musste. Der Museumsname verweist auf den Patron des einzigen Domes in Deutschland, der dem Apostel Paulus geweiht ist. In wechselnden Ausstellungen werden dort künftig auf zwei Etagen ausgewählte Stücke des Domschatzes gemeinsam mit Leihgaben präsentiert, dies jeweils in Bezug zu aktuellen gesellschaftlichen Fragen.

Hohe Stirn, hageres Gesicht, langer Bart

Die erste Ausstellung mit dem Motto "Ich gehe, aber wohin?" zeichnet den Lebensweg des Mannes nach, der vom Saulus zum Paulus wurde, vom Verfolger der ersten Christen zu einem der einflussreichsten Verkünder der Botschaft des Jesus von Nazareth. Hohe Stirn, hageres Gesicht, langer Bart – mehrfach begegnet einem der eindringliche Blick des Völkerapostels aus Tarsus in der heutigen Türkei: als überlebensgroße steinerne Büste, als Statue vor einer lockeren Gruppe mit Jesus und den anderen Aposteln oder als vergoldetes Reliquiengefäß.

Mit rund 50 eigenen Stücken und 30 internationalen Leihgaben haben die Kuratorinnen Stationen zum Lebensweg des Bistumspatrons geschaffen. Eine Installation zur Steinigung des Stephanus, an der Saulus beteiligt gewesen sein soll. Die Wende des erst geblendeten und dann bekehrten Fanatikers vor Damaskus ist inszeniert unter anderem mittels einer modernen Lichtinstallation "Brain Waves" und einem historischen Altarflügel des Doms zu Münster

Nach dem Damaskus-Erlebnis setzt sich die Ausstellung fort im zweiten Stock. Ausführlich wird dort die Auseinandersetzung des Paulus mit den anderen Aposteln behandelt: Müssen Heiden, die Christen sein wollen, die jüdischen Vorschriften wie Beschneidung und Speisevorschriften einhalten? Das Notizbuch eines jüdischen Beschneiders (Mohel) und eine Krippendarstellung der Geburt Jesu ebenfalls mit der Figur eines Mohels, beide aus dem 19. Jahrhundert, stehen für die Abgrenzung des jungen Christentums, die vornehmlich von Paulus gefördert wurde.

Ausstellung im Paulusmuseum
Bild: © KNA/Roland Juchem

Büsten von Propheten aus dem ehemaligen Hochaltar des Doms zu Münster.

Über die Gefangennahme des Paulus und seinen Transport nach Rom, wo er nach einem Prozess hingerichtet wurde, gelangen Besucher zum Thema Reliquienkult. Eine vergoldete Paulus-Büste mit mutmaßlichen Kettengliedern aus dem Gefängnis in Rom und Holzsplittern des Enthauptungsblocks leiten über zu einem Reliquiar des Bistumsgründers Liudger (um 741–809).

Um deutlicher zu machen, was Reliquien den Menschen früher bedeutet haben, ist nebenan ein Trikot des Bayern-München-Spielers Mathys Tel zu sehen, das dieser 2023 bei einem DFB-Pokalspiel gegen Preußen Münster einem Fan geschenkt hatte. Daneben läuft eine Videosequenz, wie der Junge aufs Spielfeld rennt und die Reliquie seines Stars ergattert. Locken von Beethoven und Elvis ergänzen den Übersetzungsversuch.

Um den Dialog von Antike und Moderne, Jung und Alt mit durchaus pädagogischem Auftrag von der Kita bis zum Seniorenkreis zu erleichtern, so Dompropst Hans-Bernd Köppen bei der Vorstellung am Dienstag, ist der Eintritt des Museums kostenlos. Führungen für Schulklassen würden von einer Stiftung des Domkapitels übernommen. Einmal pro Monat sind zudem speziell interreligiöse Führungen geplant. Wegen der hellhörigen Akustik, das ist bereits vor der Eröffnung festzustellen, wird wohl jeweils nur eine Gruppe geführt werden können.

In einem Jahr soll es etwas Neues geben

Zu finden ist das Museum nicht beim Dom, sondern hinter der Lambertikirche in einem sechsstöckigen Giebelhaus mit benachbartem schmalen Torhaus. Ein Museumsneubau hätte nach Aussage der Verantwortlichen einen zwei- bis dreistelligen Millionenbetrag gekostet. Daher ist "das Paulus" nur Mieter in dem von der Münsteraner Immobilien-Investoren-Familie Lohmann errichteten Neubau. Über dem Museum befinden sich Büroräume sowie Wohnungen.

Neben Ausstellungen bietet das Paulus auch Räumlichkeiten für Seminare, Workshops und andere Veranstaltungen. Und damit auch andere Teile des rund 1.800 Stücke umfassenden Domschatzes der Öffentlichkeit zugänglich werden, soll in einem knappen Jahr eine neue Ausstellung zum Dialog ins Paulus einladen. Ein Thema steht aber noch nicht fest

Roland Juchem (KNA)