Dank an Priester für Treue

Vatikan-Außenminister in Moskau: Kirche soll Frieden stiften

Der vatikanische Außenbeauftragte, Erzbischof Paul Richard Gallagher, bei einem Gottesdienst in Moskau
Bild: IMAGO / ITAR-TASS

Zum Abschluss seines Moskau-Besuchs hat der vatikanische Außenminister, Erzbischof Paul Richard Gallagher, zum Streben nach Frieden aufgerufen. Die Kirche sei berufen, Frieden zu stiften und Brücken zu bauen, sagte er am Donnerstag bei einem Treffen mit katholischen Priestern und Ordensleuten laut dem Portal Vatican News. Schon bei einem gemeinsamen Pressetermin mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow am Dienstag hatte Gallagher an Moskau und Kiew appelliert, Verhandlungen zu führen, um den seit viereinhalb Jahren andauernden Krieg zu beenden.

"Eine Brücke zu bauen bedeutet, die Distanz zwischen zwei Ufern zu erkennen die Spaltung, den Hass und das Missverständnis und sich zu weigern, diese Distanz als unüberwindbar hinzunehmen", so der Vatikan-Diplomat am letzten Tag seines Besuchs. Bei der anschließenden Abendmesse in der ganz mit Gläubigen gefüllten Moskauer Kathedrale betonte er dem Bericht zufolge, Papst Leo XIV. ermuntere, "Handwerker des Friedens in unserem Alltag" zu werden und Dialog und Verständigung zu fördern. Das Evangelium sporne an, unermüdlich nach dem zu suchen, was die Menschen eine.

Mangel an katholischen Priestern

An dem Gottesdienst nahmen auch der Übergangsverwalter des "Erzbistums der Gottesmutter in Moskau", Weihbischof Nikolai Dubinin, und aus dem westsibirischen "Bistum der Verklärung des Herrn in Nowosibirsk" Bischof Joseph Werth und Weihbischof Stephan Lipke teil. Aus Rücksicht auf die orthodoxe Kirche heißen Russlands vier katholische Diözesen offiziell nicht einfach wie die Stadt, in der sie ihren Sitz haben. Denn das orthodoxe Moskauer Patriarchat sieht das Land als sein kanonisches Territorium an.

Erzbischof Gallagher und Außenministrer Lawrow
Bild: © IMAGO/ZUMA Press

Am Dienstag traf Gallagher bereits den russischen Außenminister Sergej Lawrow.

Gallagher dankte den Geistlichen für ihre Treue, mit der sie "oft unter schwierigen Umständen" Seelsorge sowie Bildungs-und karitative Arbeit leisteten. Zum Hintergrund: Der katholischen Kirche in Russland mangelt es nicht nur an Priestern. Auch staatliche Repressionen setzen ihr zu. Hinzu kommt, dass die Wege für Gläubige in dem Riesenreich mitunter zu weit sind, um jeden Sonntag eine Messe besuchen zu können. Weniger als ein Prozent der Russinnen und Russen sind katholisch.

Vatikan als Vermittler

Nach Lawrow war der Vatikan-Diplomat auch mit dem außenpolitischen Chefberater Juri Uschakow von Präsident Wladimir Putin zusammen gekommen. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow kündigte unterdessen an, Russland werde seine "militärische Spezialoperation" fortsetzen, weil es seine Ziele nicht mit friedlichen Mitteln erreichen könne. Moskau bleibe aber grundsätzlich offen für die Fortführung von Friedensgesprächen.

Gallagher hatte in Moskau auch angeboten, dass der Vatikan zwischen beiden Kriegsparteien vermittelt, um Frieden zu erzielen. Bisher beschränkt sich dessen Rolle im Wesentlichen auf die Unterstützung des Austauschs von Kriegsgefangenen zwischen beiden Ländern und der Heimkehr von verschleppten oder vermissten Familienangehörigen. Hierfür leiteten Vatikanvertreter etwa entsprechende Listen weiter.

Der Kurienerzbischof hatte im Juli in Kiew unter anderen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gesprochen. Moskau hatte er zuletzt im November 2021 besucht. (KNA)