Als Papst Leo XIV. am Samstag vergangener Woche das Meeting in Rimini besuchte, war die Begeisterung groß – auch beim Kirchenoberhaupt. Seit 44 Jahren war kein Papst mehr beim "Treffen für die Freundschaft unter den Völkern" gewesen. Die mehrtägige Veranstaltung wird seit 1980 alljährlich von einer Stiftung im Umfeld der katholischen Gemeinschaft "Comunione e liberazione" (CL; Gemeinschaft und Befreiung) organisiert. Papst Johannes Paul II. (1978–2005) hatte die Laienbewegung 1982 offiziell anerkannt. Im selben Jahr besuchte der Papst aus Polen das noch überschaubare Meeting in der Adriastadt.
Seither ist das "Meeting" – wie es in Italien genannt wird – deutlich gewachsen. Als Knotenpunkt von Kirche, Politik, Wirtschaft und Kultur gewannen auch die Bewegung und ihre Gemeinschaft großen politischen Einfluss im Land. Nach dem Tod ihres Gründers Luigi Giussani im Jahr 2005 und einem Korruptionsskandal um ein führendes Mitglied geriet die Bewegung in eine Krise um ihre Führung und künftige Ausrichtung.
"Ernste Probleme"
Neue Richtlinien des Vatikans für geistliche Bewegungen, die Leitungsämter auf zehn Jahre begrenzen, zwangen den zweiten CL-Leiter, den spanischen Priester Julián Carrón, im November 2021 nach 16 Jahren zum Rücktritt. Den Erneuerungskurs der Bewegung setzt seitdem der Biochemiker Davide Prosperi fort.
Ein Jahr später – im Oktober 2022 – rief Papst Franziskus die Bewegung dazu auf, ihre inneren Konflikte zu überwinden und die Einheit mit dem Papst zu wahren. Er lobte die Arbeit des zurückgetretenen Carrón, dennoch habe es "ernste Probleme, Auseinandersetzungen und eine rückläufige Präsenz dieser wichtigen Bewegung gegeben". Er appellierte an die Mitglieder: "Verschwendet nicht eure Zeit mit Geschwätz, Misstrauen und Gegensätzen!"
Dieses 1984 von der Bewegung Comunione e Liberazione veröffentlichte Foto zeigt ihren Gründer, Pater Luigi Giussani (rechts), bei einem Treffen mit Papst Johannes Paul II.
In den Messehallen von Rimini erinnerte Leo XIV. am vergangenen Samstag an Worte seines Vorgängers aus dem Jahr 2015: "Die Besessenheit, die eigene Herrlichkeit, die eigene 'Würde', den eigenen Einfluss zu wahren, darf nicht zu unserer Gesinnung gehören. Wir müssen nach der Herrlichkeit Gottes streben, und diese entspricht nicht unserer eigenen Herrlichkeit." Leo XIV. selbst forderte die CL-Mitglieder auf, Gedanken, Interessen, Gewohnheiten, Bekanntschaften, Pläne, Investitionen – jeden Aspekt des Lebens – von allem zu reinigen, was die Kultur der Macht verdorben habe.
"Befreien wir also das Zusammenleben vom Misstrauen, die Kultur von der Überheblichkeit, die Bildung von der Ideologie, die Arbeit vom Götzendienst des Profits, die Technologie und die Finanzwelt von den Geschäften des Todes", sagte der Papst. "Entlarven wir die ungerechten Machtverhältnisse, die die Wurzel von Armut und Ungleichheit, von Krieg und Umweltkatastrophen sind – und beginnen wir dabei bei den Organisationen, die wir geschaffen haben und in denen wir tätig sind."
Erneuerung und Einheit
Leo XIV. rief die Mitglieder zur Erneuerung und Einheit auf. Auch schwierige Momente könnten Momente der Gnade und Wiedergeburt sein. Es gelte, die Einheit untereinander, mit der Leitung der Bewegung, dem Vatikan und dem Papst zu pflegen.
Zugleich bat er die Bewegung, einen synodalen Stil zu leben: "Ein jeder hört zu, lässt sich vom Glauben der anderen verwandeln, und gemeinsam - unter der Führung der Hirten – werden neue Einsichten gewonnen, weitere Schritte unternommen und mutiger Gehorsam im Heiligen Geist entwickelt." Dieser Stil sei in dieser unruhigen Epoche ein wahres Zeichen der Zeit, sagte der Papst. "Bezeugen wir, dass jedes Charisma dem gemeinsamen Wohl dient, dass sich jeder Reichtum vervielfacht, wenn er geteilt wird, dass jede Angst überwunden werden kann."
CL-Präsident Davide Prosperi bezeichnete die Ansprache des Papstes als "richtungsweisend" für die Gemeinschaft. Im Interview mit dem "Corriere della Sera" wertete er Leos XIV. Mahnung zur Einheit auch mit Rom als "Wegweiser für die Bewegung". Sie müsse, wie der Papst gesagt habe, "alle Strömungen unseres Volkes einbeziehen, im Dienst der gesamten Kirche". Gerade die "Nachfolge der Autorität, angefangen bei der des Heiligen Vaters", bringe die Bewegung "auf diesen Weg".