Mit einem dramatischen Appell zur voranschreitenden Umweltzerstörung und Klimaveränderung meldet sich der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., zu Wort. Die Menschheit stehe der größten Bedrohung in ihrer gesamten Geschichte gegenüber, zitiert die Presseagentur Kathpress aus dem Hirtenwort des Patriarchen zum Beginn des orthodoxen Kirchenjahres und des "Weltgebetstag für die Schöpfung" am Dienstag.
Das unersättliche Bestreben, die Natur zu beherrschen, zu instrumentalisieren und auszubeuten, werde für das Leben auf der Erde tragisch enden, schreibt das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, das auch als "Grüner Patriarch" bekannt ist. Der heutige "Mensch, der sich als Gott betrachtet", setze seinen Weg der Zerstörung der Erde fort.
Im Namen geopolitischer Strategien, wirtschaftlicher Interessen, von Konsumismus und Befriedigung letztlich unersättlicher Bedürfnisse missachte er jedes Maß und jede Grenze. Es brauche ein fundamentales Umdenken, ja eine "kopernikanische Wende" mit Blick auf das eigene Menschenbild, das Verständnis von Fortschritt und das Verhältnis zur Natur, fordert der Patriarch.
"Spaltungen zwischen Mensch und Natur"
Die "Sünden der Moderne" hätten "neue Trennungen und Spaltungen zwischen Mensch und Natur hervorgebracht und tun dies weiterhin", warnt Bartholomaios. Es sei offensichtlich, dass die Menschheit ihre eigene Zukunft untergrabe und "ihr gemeinsames Haus" zerstöre.
Bartholomaios wörtlich: "Der Mensch muss endlich aufhören zu handeln, als wüsste er von nichts, und sich endgültig von den Illusionen verabschieden, der Planet Erde könne die vom Menschen verursachten Belastungen und Zerstörungen unbegrenzt verkraften oder die Natur besitze die Kraft, sich aus sich selbst heraus stets zu erneuern."
Verantwortung für den Schutz der Umwelt müsse sich auf globaler, nationaler, lokaler und persönlicher Ebene verwirklichen. Der Patriarch nimmt Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft, ebenso aber auch alle Kirchen und Religionen in die Pflicht. Und er werde in diesem Bemühen auch künftig nicht nachlassen, bekräftigt der 86-Jährige. (KNA)