Mittagsgebet in Castel Gandolfo

Papst fordert Freilassung aller Geiseln des Massakers in Haiti

Papst Leo XIV. begrüßt die Menschen vom Balkon des Apostolischen Palastes in Castel Gandolfo
Bild: KNA/Vatican Media/Romano Siciliani

Papst Leo XIV. dringt auf eine unverzügliche Freilassung aller Geiseln des Massakers in Haiti. Die Nachrichten aus Kenscoff nahe der Hauptstadt Port-au-Prince, wo bei einem Banden-Angriff vor knapp einer Woche etwa 50 Menschen getötet und ebensoviele verschleppt wurden, seien dramatisch, sagte Leo XIV. am Sonntag beim Mittagsgebet in Castel Gandolfo nahe Rom, wo er das Wochenende verbrachte.

Er appelliere eindringlich an alle Verantwortlichen, sich "zu verpflichten, die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten und allen Formen von Gewalt ein Ende zu setzen", so der Papst mit Blick auf die seit Jahren verheerende Sicherheitslage in dem Karibikstaat. Nach dem Mord an Haitis Präsident Jovenel Moïse 2021 bauten kriminelle Banden ihre Macht aus und terrorisieren die Bevölkerung. Rund 1,5 Millionen Menschen flohen innerhalb des Landes vor grassierender Gewalt.

Weiter rief der Papst zu Gebeten für die Toten, Verletzten und Vermissten sowie für Familien und Rettungskräfte der Flutkatastrophe in Nepal und Tibet auf. "Möge die Hilfsbereitschaft aller dazu beitragen, das Leid zu lindern und der Bevölkerung die notwendige Unterstützung zukommen zu lassen", so Leo XIV. Am Mittwoch hatte er in einem Telegramm seine Anteilnahme ausgedrückt und für die Betroffenen gespendet.

Sorge für gemeinsames Haus

Mit Blick auf den von vielen christlichen Konfessionen begangenen Weltgebetstag zur Bewahrung der Schöpfung am Dienstag (1. September) verwies das Kirchenoberhaupt auf den Zusammenhang zwischen Krieg und Umweltzerstörung. "Die Sorge für unser gemeinsames Haus (erfordert) eine Bekehrung des Herzens, damit das, was bislang zur Zerstörung eingesetzt wurde, künftig vielmehr dem Leben zugutekommt", so der Papst auf Englisch.

"Ich lade alle ein, sich im Gebet und im Handeln einzubringen, damit wir zu Kanälen für das lebendige Wasser von Gottes Frieden werden und unsere verwundete Welt erquicken", appellierte Leo XIV. vor Hunderten Menschen auf der zentralen Piazza des Bergstädtchens Castel Gandolfo hoch über dem Albaner See, wo Päpste seit 400 Jahren Urlaub machen.

Am Samstagabend hatte er in der Kirche am Seeufer eine Messe zum lokalen Marienfest gefeiert und anschließend an der traditionellen Bootsprozession teilgenommen – als erster Papst der Geschichte an Bord eines Schiffes. Seinen nächsten offiziellen Termin in dem Ort rund 20 Kilometer südlich von Rom hat Leo XIV. am Dienstag: Dann wird er im dortigen Ökoprojekt "Laudato si" in den päpstlichen Gärten einen Gottesdienst zum Tag der Schöpfung feiern. Beim Mittagsgebet dankte er den Ordnungskräften und allen, die während seiner Aufenthalte in Castel Gandolfo für Sicherheit sorgen. (KNA)