Der Außenbeauftragte des Vatikans, Erzbischof Paul Richard Gallagher, hat nach seiner Moskau-Reise die Bedeutung der Diplomatie hervorgehoben. Es sei "kein einfacher Dialog" gewesen, "denn je länger der Krieg andauert, desto schwieriger wird die Wiederherstellung der Beziehungen", sagte der Erzbischof in einem Interview mit "Vatican News" (Sonntag). Gleichzeitig sei klar, dass alle Konflikte und Krieg mit Verhandlungen und Vereinbarungen endeten. "In diesem Sinne bietet und verspricht die Diplomatie eine mögliche Lösung", so der Erzbischof. "Das ist es auch, was wir als Kirche verkünden müssen und verkünden verpflichtet sind."
Gallagher betonte, dass der Heilige Stuhl nicht auf Einzelheiten der Verhandlungen eingehe und keine technischen Lösungen vorschlage, sondern an den guten Willen und den Dialog appelliere. Der Heilige Stuhl habe sich erneut als Vermittler angeboten. Aber: "Es scheint nicht so, als sei eine direkte Einbeziehung unserer diplomatischen Vertretungen erwünscht ist", sagt Gallagher. Dennoch sei die Geste gewürdigt worden. "Sie müssen nur darum bitten, und wir werden alle unsere Ressourcen zur Verfügung stellen – die zwar bescheiden sind, wie wir zugeben, aber es ist eine Geste, die wir in gutem Glauben tun."
Gallagher kritisierte indirekt auch den Abbruch der Russland-Beziehungen einiger europäischer Länder. "Wir sind überzeugt, dass dies der richtige Weg ist und dass es, offen gesagt, nicht hilft, Menschen und Länder zu isolieren", erklärte Gallagher. "Indem wir hierher nach Moskau kommen und das tun, was andere derzeit nicht tun, laden wir dazu ein, darüber nachzudenken, ob die bisher verfolgten Strategien Ergebnisse zur Lösung dieser Tragödie bringen."
"Es war ein sehr ermutigendes Treffen"
Zu seinem Treffen mit Vertretern der russisch-orthodoxen Kirche sagte Gallagher, man habe verschiedene Themen erörtert, "die auch mit der aktuellen Lage zusammenhängen". "Es war ein sehr ermutigendes Treffen, das gezeigt hat, dass wir sehr viele Dinge teilen, auch wenn wir in einigen Fragen unterschiedliche Ansichten haben; gleichzeitig versuchen wir jedoch, uns gegenseitig zu ermutigen, den Weg des Evangeliums zu gehen."
Angesprochen auf den Gottesdienst am letzten Tag seiner Reise, sagte Gallagher, es habe ihn beeindruckt, so viele Gläubige in der Kathedrale zu sehen. "Es war wirklich ein Ausdruck der Zuneigung, vor allem gegenüber dem Heiligen Vater, und man sieht, dass diese Bande der Liebe, diese Bande zum Nachfolger Petri, hier sehr stark sind", so Gallagher. "Das ist wirklich ein Grund zu großer Zufriedenheit."
Er verspüre große Traurigkeit, die Menschen in Russland verlassen zu haben, sagte Gallagher. Man lasse sie aber nicht allein. "Wenn ich zu einem Besuch in irgendeinen Teil der Welt reise, kehre ich zwar nach Hause zurück, aber die Menschen und Gemeinschaften, denen ich begegnet bin, bleiben immer in meinem Gebet", versicherte der Erzbischof. "Ich begleite stets – und somit auch dieses Mal – die Wünsche nach Frieden und Gerechtigkeit mit meinem Gebet, denn letztlich ist der Frieden ein Geschenk Gottes." (cbr)