Wieder ist in der Volksrepublik China ein neuer Bischof in gegenseitigem Einvernehmen von Staat und Kirche eingesetzt worden. Wie das vatikanische Presseamt am Montag mitteilte, wurde am selben Tag Paul Liu Honggang (55) zum Bischof geweiht. Papst Leo XIV. habe ihn bereits am 10. August zum Bischof von Datong in der Provinz Shanxi ernannt; und zwar gemäß dem "Provisorischen Abkommen zwischen dem Heiligen Stuhl und der Volksrepublik China".
Dieses sogenannte Geheimabkommen regelt seit 2018 die Zusammenarbeit der Kommunistischen Partei und des Vatikans bei der Neubesetzung von Bischofsstühlen. Das Verfahren läuft so, dass zunächst ein Kandidat mit Zustimmung der Partei benannt wird. Erst wenn der Papst den Nominierten akzeptiert, wird er zum Bischof geweiht. Das führt dazu, dass nur Geistliche zu Bischöfen gemacht werden, die mit der Parteilinie konform gehen.
Früher hatte es in Teilen Chinas ein Nebeneinander von parteikonformen ("patriotischen") Kirchenstrukturen auf der einen und von papsttreuen Bischöfen und Geistlichen auf der anderen Seite gegeben. Die Hierarchie dieser sogenannten Untergrundkirche war im Laufe der Jahre stark überaltert, während den "patriotischen" Bischöfen von papsttreuen Katholiken wenig Vertrauen entgegengebracht wurde. Diese Spaltung soll durch das kooperative Ernennungsverfahren gemäß dem Geheimabkommen überwunden werden. Dennoch ist es umstritten. Nach Meinung der Kritiker räumt es der Kommunistischen Partei zu viel Mitspracherecht in innerkirchlichen Entscheidungen ein. (KNA)