Die Gebeine Kaiser Otto des Großen liegen wieder in der Grablege im Magdeburger Dom. "Wir geben Otto seine Totenruhe zurück", sagte der evangelische Landesbischof Friedrich Kramer bei einem ökumenischen Gottesdienst am Dienstag. "Otto war Christ. Sein Glaube hat ihm immer vor Augen geführt, dass es eine höhere Macht gibt, der er sich zu verantworten hat", so Kramer, der dies auch heutigen Politikern wünsche. Er sagte: "Ein Rassist kann nicht Deutscher sein. Dem lasst uns fröhlich widerstehen mit dem Geist Ottos, mit dem Geist der Liebe statt des Hasses."
Die Grablege war für eine umfassende Sanierung im Januar 2025 geöffnet worden. Nun wurden während einer feierlichen Zeremonie die Gebeine des Kaisers in einem neuen Titansarg wieder in den restaurierten Kalksteinsarkophag im Hohen Chor des Doms eingesenkt.
Feige: Otto hat eine Zukunft
Auch der Magdeburger Bischof Gerhard Feige würdigte in seiner Predigt das Handeln Otto des Großen nach christlichen Werten wie Demut und Barmherzigkeit. "Als Christen und Christinnen sehen wir in Kaiser Otto nicht nur eine äußerst markante Person der Vergangenheit mit einer nachhaltigen Wirkungsgeschichte, sondern glauben, dass er auch eine Zukunft hat", so Feige. "Für Gott ist jeder Mensch – ob arm oder reich, mächtig oder schwach, ohne oder mit Behinderung, binär oder queer, deutscher oder anderer Abstammung – sein Ebenbild und damit einmalig, kostbar und zu einer Lebensfülle berufen, der der Tod nichts anhaben kann."
An der Beisetzungszeremonie im voll besetzten Dom nahmen unter anderen Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos), Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) sowie weitere Spitzenvertreter aus Politik, Kultur und Kirche teil.
Identität Ottos des Großen bestätigt
Im Zuge der Sanierung wurden sowohl der Kalksteinsarkophag als auch der darin befindliche Holzsarg Ottos des Großen geöffnet und Gebeine, textile und organische Reste sowie Sediment geborgen und wissenschaftlich untersucht. Dabei wurde auch geklärt, dass in dem Grab tatsächlich noch Otto der Große liegt. In der Geschichte wurde das Grab bereits mehrfach geöffnet.
Kaiser Otto I. (912–973) war einer der bedeutendsten Herrscher Europas. Er wurde 962 in Rom zum Kaiser gekrönt. 968 gründete er das Erzbistum Magdeburg. 973 starb er in Memleben. Durch die Wiederbelebung des römischen Kaisertums legte er den Grundstein für das spätere Heilige Römische Reich. Sein Grabmal im Magdeburger Dom ist weit über die Landesgrenzen Sachsen-Anhalts hinaus ein Denkmal von erheblichem kulturhistorischen Wert. (KNA)