Der Dresdner Bischof Heinrich Timmerevers ist mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurückgetreten. Das teilten das Bistum Dresden-Meißen und der Vatikan am Mittwochmittag zeitgleich mit. Damit ist die ostdeutsche Diözese mit ihren rund 124.000 Katholiken ab sofort vakant. Timmerevers war seit 2016 Oberhirte von Dresden-Meißen, erst vor wenigen Tagen, am 27. August, hatte er den zehnten Jahrestag seiner Amtseinführung begehen können.
"Ich spüre, dass die vielfältigen Herausforderungen und Aufgaben in dieser Verantwortung enorme Kraft gekostet haben", sagte Timmerevers. Und weiter: "Daher habe ich beschlossen, die Leitung unseres Bistums Dresden-Meißen, das mir in den zehn Jahren meiner Amtszeit sehr ans Herz gewachsen ist, in jüngere Hände zu übergeben. Ich hatte daher bereits vor einigen Monaten in Rom um Entpflichtung gebeten und habe dieses Ersuchen dem Heiligen Vater auch im persönlichen Gespräch bei einer Audienz erläutert." Der Rücktritt Timmerevers' erfolgte wenige Tage nach seinem 74. Geburtstag und damit ein Jahr vor der für katholische Bischöfe geltenden Altersgrenze von 75 Jahren.
Zweites von sechs Kindern einer Landwirtsfamilie
Timmerevers wurde 1952 als zweites von sechs Kindern einer Landwirtsfamilie in Nikolausdorf/Garrel im niedersächsischen Landkreis Cloppenburg geboren. Nach seinem Abitur 1972 studierte er Theologie und Philosophie in Münster und Freiburg. Am 25. Mai 1980 empfing er durch den damaligen Münsteraner Bischof Reinhard Lettmann die Priesterweihe, anschließend war Timerevers als Vikar in Visbek tätig. In den Jahren danach war er unter anderem Subdirektor am Collegium Borromaeum in Münster, Domvikar am St.-Paulus-Dom sowie Pfarrer in Visbek.
Im Sommer 2001 wurde Timmerevers von Papst Johannes Paul II. (1978–2005) zum Weihbischof im Bistum Münster und gleichzeitig von Bischof Lettmann zum Bischöflichen Offizial in Vechta ernannt. Das Bischöflich Münstersche Offizialat Vechta nimmt die bischöfliche Amtsgewalt für den niedersächsischen Teil des Bistums Münster wahr – eine kirchenrechtlich weltweit einmalige Konstruktion. Die Bischofsweihe empfing Timmerevers am 2. September 2001 ebenfalls durch Lettmann; als bischöflichen Wahlspruch wählte er "Suchet, wo Christus ist". Ende April 2016 wurde Timmerevers dann von Papst Franziskus (2012–2025) zum 50. Bischof des Bistums Dresden-Meißen ernannt, die Amtseinführung fand am 27. August 2016 statt.
Konfliktthema Aufarbeitung
Ein Konfliktthema seiner Amtszeit war die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum, immer wieder hatte es Kritik von Betroffenenvertretern gegeben. Die Chemnitzer Missbrauchsbetroffene Sabine Otto etwa warf dem Bistum mangelnden Dialog mit Betroffenen vor. Hintergrund sind Auseinandersetzungen um die Neubesetzung der im Frühjahr 2025 aufgelösten Aufarbeitungskommission und die geplante wissenschaftliche Untersuchung von Missbrauchsfällen. Das Bistum hatte die Kritik zurückgewiesen und auf Beteiligungsmöglichkeiten für Betroffene verwiesen.
In der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) war Timmerevers unter anderem von 2001 bis 2009 Mitglied der Jugendkommission und von 2016 bis 2021 Mitglied der Pastoralkommission. Zuletzt war er Vorsitzender der Kommission für Erziehung und Schule, Mitglied der Kommission für Geistliche Berufe und Kirchliche Dienste sowie Mitglied der Bischöflichen Fachgruppe für Fragen des sexuellen Missbrauchs und von Gewalterfahrungen. (stz)