Zwischen Russland und Ukraine

Politikwissenschaftler: Vatikan kann Rahmen für Verhandlungen schaffen

Politikwissenschaftler: Vatikan kann Rahmen für Verhandlungen schaffen
Bild: picture alliance / Mikhail Metzel

Politikwissenschaftler Mariano Barbato rät dazu, die diplomatischen Fähigkeiten des Heiligen Stuhls weder zu über- noch zu unterschätzen. Kein anderes Völkerrechtssubjekt sei gleichzeitig Oberhaupt einer Religionsgemeinschaft, sagte er am Donnerstag im Interview der katholischen Zeitung "Die Tagespost". Diese Besonderheit könne manchmal "Auswege auf dem diplomatischen Parkett der Staaten" eröffnen, "die innerweltlich nicht gegangen werden können".

Die humanitäre Arbeit unterstreiche die moralische Glaubwürdigkeit eines religiösen Akteurs, der sich der Unparteilichkeit innerhalb der Menschheitsfamilie verpflichtet habe, so Barbato. Der Dozent an den Universitäten in Passau und Budapest führte aus, die vatikanische Diplomatie könne einen "freundlichen Rahmen" für Verhandlungen schaffen, aber nicht selbst politisch verhandeln.

Kulisse statt Friedensplan

So könnte der Vatikan aus seiner Sicht für Moskau einen gesichtswahrenden Ausweg eröffnen: "Wenn es gut läuft, könnte Leo XIV. heute für Putin und den Ukrainekrieg eine ähnliche Rolle spielen wie Johannes XXIII. für Chruschtschow und die Kubakrise damals 1962 im Kalten Krieg", so der Politikwissenschaftler. Dabei gehe es nicht um Friedenspläne oder Moderation von Verhandlungen, sondern um die Bereitstellung eines moralischen Referenzpunkts, "einer transzendent verorteten Chance auf Umkehr, einer religiösen, farbenprächtigen Kulisse durch den Heiligen Stuhl".

Aktuell wende sich der Heilige Stuhl mit der Forderung, die Isolation Russlands zu beenden, gegen die Position der Europäischen Union und unterstütze die Position der US-Regierung. Barbato hält die Reise Gallaghers nach Moskau für mit der Reise des CIA-Direktors John Ratcliffe abgestimmt. Nur spekulieren lasse sich, ob die Reisen auch mit Europa abgestimmt waren. Doch er halte es für möglich, dass die Europäer in die Reisediplomatie eingebunden waren, "und ihre Härte mit der päpstlichen Soft Power zur Suche eines Auswegs verbinden".

Der Vatikan suche nach biblischem Vorbild den Ausgleich und wolle den Aggressor nicht bestrafen, sondern in die Völkerfamilie zurückholen. Dabei müsse man aber auch mit Rückschlägen rechnen: "Der Schuldige kann auch sein Spiel mit den Friedensboten treiben", betont Barbato. (KNA)