Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

Bischof Feige fordert Widerstand gegen "nationalistischen Ungeist"

Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige schaut nachdenklich in die Luft
Bild: KNA/Angelika Zinzow

Am Tag der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat der Magdeburger Bischof Gerhard Feige nochmals zum Einsatz gegen Extremismus und eine "zunehmende Verwahrlosung des menschlichen Miteinanders" aufgerufen. "Gegenwärtig heißt das wohl in besonderer Weise, dem nationalistischen und fremdenfeindlichen Ungeist zu widerstehen", sagte Feige laut Redemanuskript am Sonntag bei der Wallfahrt des Bistums Magdeburg zum Kloster Huysburg nahe Dingelstedt.

Er dankte allen, die sich für Menschenwürde, Nächstenliebe, Solidarität, Dialog sowie ein tolerantes und weltoffenes Miteinander einsetzten. Zugleich kritisierte er: "Was für apokalyptische und rassistische Vorstellungen haben sich doch in den Köpfen vieler festgesetzt! Nächstenliebe wird zum Unwort – und Menschenfeindlichkeit gesellschaftsfähig."

Ohne die in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextrem eingestufte AfD beim Namen zu nennen, warnte Feige vor "Agitation und Propaganda" jener politischen Kräfte, "die Zwietracht säen, Misstrauen und Ängste schüren, drastisch bisherige Rechte und Freiheiten einschränken wollen und zugleich in messianischer Selbstüberhebung paradiesische Zustände verheißen". Dabei zitierte er zwei AfD-Landtagswahlslogans: "Alles ist möglich. Alles wird gut." Die Partei lag zuletzt in Umfragen bei mehr als 40 Prozent.

Bewusst wählen – über den Wahltag hinaus

Feige warb für eine von Empathie, Respekt, Glauben, Liebe und Hoffnung geprägte Haltung. Die vom Bistum Magdeburg zur Landtagswahl angestoßene Initiative "Bewusst wählen!" markiere eine anhaltende Herausforderung, die nicht mit dem Wahltag ende, sondern jeden Tag und an jedem Ort gelte.

Feiges Predigt über die biblische Bergpredigt Jesu stand unter dem Leitwort: "Du sollst ein Segen sein." Das zu leben, sei schon bislang nicht unbedingt einfach, sagte der Bischof. "Nunmehr aber ist es unter verschärfteren Bedingungen eine noch größere Herausforderung für uns alle - jedoch die allein wirklich überzeugende und heilsame Alternative in den Auseinandersetzungen unserer Zeit."

Christliches Handeln gemäß der Bergpredigt bedeute für ihn, nicht die eigenen Interessen zum Maßstab zu machen, sondern Leid und Unrecht wahrzunehmen und Betroffenen beizustehen. Andere nicht herabzuwürdigen und auszugrenzen, keine leeren Versprechungen zu machen und auch angesichts von Anfeindungen Haltung zu zeigen und den Mut nicht zu verlieren – all das gehöre ebenfalls dazu. Christsein sei nicht nur eine Weltanschauung, sondern auch oder vor allem eine Lebensweise. Die Kirche sei "kein Verein, der lediglich um sich selbst kreist, sondern eine Bewegung und Gemeinschaft, die dazu berufen und gesandt ist, dem Heil aller Menschen zu dienen". (KNA)