Nun ist es so gekommen, wie es die Prognosen vorhergesagt haben. Die AfD ist mit Abstand Wahlsieger in Sachsen-Anhalt. An Mahnungen und guten Argumenten hat es im Vorfeld nicht gemangelt. Das Bistum Magdeburg hat mit großem Einsatz bei Wählerinnen und Wählern für Werte wie Nächstenliebe, Solidarität und Menschenwürde geworben.
Dass all dieser Einsatz den Wahlsieg der AfD nicht verhindern konnte, mag viele Gründe haben. Dazu gehört sicher auch, dass die katholische Kirche in Ostdeutschland in einer Minderheitsposition ist. Dennoch gebührt all denen, die sich engagiert und dafür manche Anfeindung ausgehalten haben, Anerkennung und Dank. Nicht zuletzt Bischof Feige hat durch seine authentische und klare Art vielen Orientierung gegeben.
Zu den Erklärungen für das Wahlergebnis gehört auch, dass sich Menschen allein gelassen fühlen. Der Staat, Parteien, wichtige Bereiche der öffentlichen Daseinsvorsorge und zivilgesellschaftliches Engagement werden oft als wenig präsent erlebt. Für die Kirche in Deutschland stellt sich deshalb generell die Frage, was ihr Beitrag in solchen Situationen ist.
Es klingt paradox: Gerade in Zeiten von Kirchenschließungen, Sparzwängen und Rückzug braucht es eine verstärkte Präsenz. Strukturprozesse und ihre Protagonisten neigen oft dazu, von oben zu denken. Die eigentlichen Expertinnen und Experten aber sitzen vor Ort. Dort zeigt sich, ob Reformen etwas taugen. Entscheidend ist, ob eine Kirche möglich wird, die im Alltag präsent ist, Nähe schafft, Themen aufnimmt, die Menschen bewegen, und die sie darin unterstützt, den Glauben auf ihre Weise zu leben. Alles Aufgesetzte gilt es zu vermeiden, alles Lebendige und in der Praxis Bewährte zu fördern.
Eine Lehre aus diesem Wahlergebnis muss deshalb sein, dass Ordinariate, Verbände, Hilfswerke und kirchliche Einrichtungen ihr Handeln daraufhin überprüfen, ob es wirklich "radikal" gedacht ist – im ursprünglichen Sinn: von der Wurzel her, von unten. Die entscheidende Frage ist, wie Kirche vor Ort präsent und nützlich sein kann und wie sich dieses Engagement bestmöglich fördern lässt.
Der Autor
Pfarrer Dirk Bingener ist Präsident des Internationalen Katholischen Hilfswerkes missio Aachen und des Kindermissionswerkes "Die Sternsinger" in Aachen.
Hinweis
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