Ökumenischer Patriarch hofft auf Kircheneinheit

Bartholomaios: Papst-Titel "Patriarch des Westens" Zeichen für Ökumene

Papst Leo XIV. und Patriarch Bartholomaios I. geben sich die Hand
Bild: KNA/Vatican Media/Romano Siciliani

Die Wiederaufnahme des Papst-Titels "Patriarch des Westens" durch Papst Franziskus (2013–2025) ist für den Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. ein Zeichen für die angestrebte Einheit der Kirche. Mit dem Titel verbinde die orthodoxe Kirche die Hoffnung auf eine Rückkehr zur Kircheneinheit des ersten Jahrtausends, die durch fünf gleichberechtigte Patriarchate unter dem Ehrenvorsitz des Patriarchen des Westens geprägt war, sagte der Patriarch von Konstantinopel in der vergangenen Woche in einer Ansprache vor der Gesellschaft für das Recht der östlichen Kirchen in Budapest.

Papst Benedikt XVI. (2005–2013) hatte den Titel "Patriarch des Westens" 2006 abgelegt. Die Entscheidung sorgte für Verstimmung in der Ökumene, da der abgelegte Titel anders als die beibehaltenen Titel des Stellvertreters Christi und des Obersten Pontifex der Universalkirche allgemein akzeptiert wird, wie Bartholomaios ausführte: "Allein der Titel 'Patriarch des Westens' hat unter den verschiedenen päpstlichen Titeln seinen Ursprung in der ungeteilten Kirche des ersten Jahrtausends und wurde von dieser anerkannt." Titel, die die universale und unmittelbare Gewalt des Papstes ausdrücken, würden dagegen das Risiko bergen, den Weg zur vollen kirchlichen Einheit zu verdunkeln.

Zurück zur Ordnung des ersten Jahrtausends

Diese Argumente habe Bartholomaios gegenüber Papst Franziskus immer wieder vorgebracht. "Er hat Unsere Bedenken mit seiner charakteristischen Offenheit und Großzügigkeit angenommen und versicherte Uns seiner Absicht, den Titel zu einer geeigneten Zeit wieder einzuführen." Nach dem Tod des emeritierten Papstes Benedikt Ende 2022 nahm Papst Franziskus 2024 den Titel wieder im Päpstlichen Jahrbuch auf. Der Ökumenische Patriarch betonte, wie positiv dieser Schritt von ihm aufgenommen wurde: "Ein kleiner, doch keineswegs unwichtiger Schritt, der in seiner Symbolik vielsagend ist und für die Fortsetzung unseres theologischen Dialoges ermutigend ist."

Für die Orthodoxie sei die Organisation der Alten Kirche in der Pentarchie der fünf alten Patriarchate – Rom, Konstantinopel, Alexandria, Antiochia und Jerusalem – weiterhin von hoher Bedeutung für die gegenwärtige Welt und die Zukunft der christlichen Ökumene, auch wenn die vier anderen Patriarchate heute von Rom getrennt seien. Die Sorge um die Einheit der Kirche sei aber verbunden mit Hoffnung: "Wir hoffen, durch Gnade und Hilfe von oben, auf die Wiederherstellung der vollen Gemeinschaft mit der Kirche von Rom innerhalb des einen Leibes der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche, damit die Pentarchie wieder ganz werde und die 'fünfsaitige Leier' der universalen Kirche wieder in der Fülle ihrer alten Harmonie erklingen möge."

Bartholomaios I. ist seit 1991 griechisch-orthodoxer Ökumenischer Patriarch von Konstantinopel. Als Ökumenischer Patriarch ist er das Ehrenoberhaupt der Orthodoxie. Zu seinen Schwerpunkten gehört neben dem Einsatz für die Schöpfung die Ökumene. 2025 traf er anlässlich des 1.700-jährigen Jubiläums des Konzils von Nizäa an seinem Amtssitz in Istanbul mit Papst Leo XIV. zusammen. Die beiden Kirchenoberhäupter unterzeichneten dabei eine gemeinsame Erklärung zur Einheit der Christenheit. In dem Text rufen sie alle Christen dazu auf, sich für die Überwindung der Kirchenspaltungen einzusetzen. Wörtlich heißt es in der Erklärung: "Dem Willen unseres Herrn Jesus Christus gehorchend, setzen wir unseren Weg des Dialogs in Liebe und Wahrheit mit fester Entschlossenheit fort, um die erhoffte Wiederherstellung der vollen Gemeinschaft zwischen unseren Schwesterkirchen zu erreichen." (fxn)