Der Leiter des Katholischen Büros Sachsen-Anhalt, Mathias Bethke, hat sich fassungslos über das Ergebnis der Landtagswahl in dem Bundesland geäußert. Das Ergebnis offenbare eine "besorgniserregende Spaltung" des Landes, sagte Bethke am Montag auf Anfrage von katholisch.de. Und weiter: "Mich ganz persönlich lässt es rat- und beinahe sprachlos zurück, auch weil ich meinen Bekanntenkreis ganz, ganz weit ausdehnen muss, um jemanden ausfindig zu machen, von dem ich annehmen kann, AfD oder BSW gewählt zu haben."
Bethke offenbarte, dass ihm angesichts des Wahlergebnisses am Tag nach dem Urnengang "weit mehr Fragen als Antworten" im Kopf herumschwirrten. So frage er sich unter anderem, "warum sich das zersetzende Gift des Populismus, der Spaltung, des Freund-Feind-Denkens, der Fake News" in einem solchen Ausmaß habe ausbreiten können – angesichts des Wahlergebnisses der Partei sicher auch bei Leuten, die er kenne. "Ich frage mich, wer die über 40 Prozent AfD-Wähler sind, was sie zur Wahl bewogen hat."
AfD als "schwarzsehende Hoffnungsgemeinschaft"
Die massenhafte Begeisterung, die der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund im Wahlkampf hervorgerufen habe, und die "politische Teflon-Beschichtung der AfD", der "Vetternwirtschaft, Baseballschläger schwingende Europaabgeordnete und vieles mehr" offensichtlich nichts hätten anhaben können, bringe ihn zu der Vermutung, dass die AfD politisch womöglich schwerlich als Partei besiegt werden könne, so Bethke weiter. Vielleicht könne man das Verbundenheitsgefühl und die Identifikation der AfD-Anhänger mit der Partei nur mit der von Sektenangehörigen vergleichen. "Für mich jedenfalls hat die AfD etwas von einer schwarzsehenden Hoffnungsgemeinschaft", so der Leiter des Katholischen Büros wörtlich.
Laut dem vorläufigen amtlichen Endergebnis gewann die in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextreme eingestufte AfD die Landtagswahl mit 43,8 Prozent (+ 23) deutlich, verfehlte aber die absolute Mehrheit. Die CDU mit dem bisherigen Ministerpräsidenten Sven Schulze kam auf 17,2 Prozent (- 19,9), die SPD auf 9,3 (+ 0,9), die Grünen auf 8,9 (+ 3), die Linken auf 8,6 (- 2,4) und das BSW auf 5,3 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 77,8 Prozent, ein Rekord seit der Wiedervereinigung. (stz)