Ein Anlauf zur Umbenennung der Johannes-Dyba-Allee in Fulda ist gescheitert. Die Stadtverordnetenversammlung der hessischen Kommune lehnte den Antrag am Montagabend nach mehr als zweistündiger Debatte mit 33 zu 23 Stimmen ab, wie eine Sprecherin der Stadt mitteilte. Das Vorhaben hatte bereits vor einer Woche im Fuldaer Haupt- und Finanzausschuss keine Mehrheit erreicht.
Betroffene von sexuellem Missbrauch im kirchlichen Bereich hatten zuletzt an die Lokalpolitik appelliert, für eine Umbenennung der Allee zu stimmen, die ihren Namen von dem verstorbenen Erzbischof (1929–2000) hat und in der Fuldaer Innenstadt nahe dem Dom liegt. Hintergrund sei die Verantwortung von Johannes Dyba im Umgang mit sexualisierter Gewalt in seiner Amtszeit als Bischof, hatte der gemeinsame Betroffenenbeirat der Bistümer Fulda und Limburg erklärt. "Wegschauen ist nicht neutral. Sexueller Missbrauch kann und konnte über Jahrzehnte auch deshalb fortbestehen, weil Verantwortliche nicht eingegriffen, Betroffene nicht ausreichend geschützt und institutionelle Interessen priorisiert haben."
Dem vor mehr als 25 Jahren verstorbenen Erzbischof wird vorgeworfen, Hinweisen auf sexualisierte Gewalt und Missbrauch durch Priester nicht nachgegangen zu sein. Dies geht aus einem im Juni 2025 veröffentlichten Bericht einer unabhängigen Kommission hervor. Die SPD hatte im Fuldaer Stadtparlament deshalb die Umbenennung der nach Dyba benannten Allee in Kastanienallee beantragt – so wie die rund 150 Meter lange Straße am Domplatz bis zum Jahr 2000 hieß. (KNA)