Der Rektor der Hochschule Heiligenkreuz sieht den Bologna-Prozess in der Theologie als "dramatisch gescheitert" an. Trotz der grundsätzlich guten Idee, die mittelalterliche Struktur einer Universität wieder aufleben zu lassen, seien die Ziele der Studienreform nicht aufgegangen, sagte der Fundamentaltheologe Wolfgang Klausnitzer laut "CNA Deutsch" bei der Internationalen Theologischen Sommerakademie in Haag. Trotz des Vorhabens, Studienleistungen vergleichbar zu machen und so den Wechsel von Hochschulen zu erleichtern, sei die Anrechnung von Studienleistungen heute schwieriger als zuvor.
Die Modularisierung von Studieninhalten führe außerdem dazu, dass die Qualität sinke. Die Zusammenfassung verschiedener Fächer zu Modulen würde eine Absprache der Lehrenden erfordern, die faktisch nicht erfolge und so dazu führen, dass Professoren fachfremd prüfen. Es sei nicht seriös möglich, in der Theologie fachfremd zu prüfen: "Die Idee, dass man als Prüfer den Stoff eines anderen Kollegen abprüft, scheitert schlicht und einfach daran, dass dieser Stoff zu speziell ist. Was soll ich dann ernsthaft abprüfen? Das ist dann Volkshochschulniveau", so Klausnitzer. Dazu komme die Verschulung des Studiums mit einem einengenden Stundenplan, der keinen Platz lasse, Vorlesungen anderer Fakultäten zu hören.
Vatikan vorne dabei
Klausnitzer kann nicht nachvollziehen, warum der Vatikan den Bologna-Prozess für die Theologie nicht nur akzeptiert hat, sondern "einer der ersten, der mitgemacht hat", gewesen ist. Die Beispiele von Medizin und Jura zeigten, dass das nicht zwingend gewesen wäre. Der Theologe sieht ein Zurück zur alten Studienordnung nicht als möglich an. Ein erster Schritt zu einer Lösung wäre seiner Überzeugung nach, wenn die Module in der Theologie europaweit denselben Titel und dieselben Inhalte mit denselben beteiligten Fachdisziplinen erhielten. Die dafür nötige Absprache hält er aber für aussichtslos.
1999 einigten sich 29 europäische Bildungsminister im italienischen Bologna auf europaweite Vereinheitlichung von Studiengängen, um eine höhere Vergleichbarkeit von Studienleistungen und Mobilität von Studierenden zu erreichen. Zu den Resultaten gehörte der Wechsel von grundständigen Studiengängen mit dem Abschluss Diplom oder Magister zu einem mehrstufigen System aus Bachelor- und Master-Abschlüssen. In Deutschland wurde in der Theologie mit der Umstellung von einem Diplomstudiengang zum Abschluss Magister theologiae zwar an einem grundständigen Vollstudium festgehalten, das direkt zu einem Abschluss auf Master-Niveau führt, die Studieninhalte wurden aber modularisiert. (fxn)