Nach dem Sieg der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Münsters Bischof Heiner Wilmer, die ablehnende Haltung der katholischen Kirche gegenüber der Partei bekräftigt. "Die AfD möchte ein anderes Deutschland im Blick auf unsere Grundwerte und auf unsere Demokratie. Das ist mit uns nicht nur nicht zu machen, sondern da positionieren wir uns klar dagegen und stellen dem Menschenwürde, Nächstenliebe und Demokratie entgegen", sagte Wilmer am Donnerstag in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur (dpa).
Die DBK hatte im Frühjahr 2024 die Erklärung "Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar" veröffentlicht und darin rechtsextreme Parteien wie die AfD als für Christen "nicht wählbar" eingestuft. Diese Erklärung habe weiterhin Gültigkeit, sagte Wilmer. Unter den Bischöfen herrsche hier vollkommene Einigkeit, die Erklärung sei einstimmig von allen Bischöfen angenommen worden. "Wenn es um die Würde eines jeden Menschen geht – und das schließt insbesondere Menschen mit Flüchtlingserfahrungen oder einer anderen Herkunft selbstverständlich ein –, halten wir zusammen", betonte der DBK-Vorsitzende.
Wilmer hält antikirchliche Maßnahmen der AfD für denkbar
Zwar betonte Wilmer, dass die Kirche mit den Menschen, die die AfD wählen, im Gespräch bleiben müsse. "Gleichzeitig haben wir Treue gegenüber dem Evangelium gelobt und gegenüber der christlich-jüdischen Tradition." Diese habe als zentrales Element, dass alle Menschen die gleiche Würde haben. "Diese Grundhaltung ist für uns nicht verhandelbar", so Wilmer. "Und wir können uns auch nicht nur auf die eigene Gruppe, die eigene Nation oder dergleichen beschränken. Als Christen haben wir einen klaren Auftrag für die ganze Welt. Wir sind eine Menschheitsfamilie. Wir gehören alle zusammen."
Der DBK-Vorsitzende hält es für denkbar, dass die AfD im Fall einer Regierungsübernahme in Sachsen-Anhalt konkrete Maßnahmen gegen die Kirchen ergreift: "Ich bin da nicht naiv." Die Partei hatte in ihrem Programm für die Landtagswahl unter anderem angekündigt, sich auf Bundesebene dafür einzusetzen, den staatlichen Kirchensteuereinzug abzuschaffen, die Staatsleistungen bei "gleichbleibendem Gesamtvolumen" anders zu verteilen und die bislang auch in Sachsen-Anhalt übliche Praxis des Kirchenasyls zu unterbinden. Gerade die finanzpolitischen Pläne würden die Kirchen in Sachsen-Anhalt stark bedrohen. (stz)