Der deutsche Kurienkardinal Walter Brandmüller hat davor gewarnt, Synoden auf Priester und Laien auszuweiten. "Im klassischen katholischen Sinne ist eine Synode eine Versammlung von Bischöfen, die sich zum Zweck der kollegialen Ausübung ihres lehramtlichen und pastoralen Amtes versammelt", schreibt Brandmüller in einem Beitrag, den der italienische Journalist Sandro Magister am Dienstag veröffentlichte. Schon bei der einst von Papst Paul VI. (1963–1978) eingeführten Bischofssynode wäre es aus Sicht Brandmüllers wünschenswert, auf den Begriff Synode zu verzichten, da die Bischöfe den Papst lediglich berieten und keine Lehrsätze verkündeten, Entscheidungen träfen oder Gesetze erließen.
"Gleiches gilt für neu geschaffene Gremien, die neben Bischöfen auch Priester und Laien beiderlei Geschlechts umfassen und angeblich das gesamte Volk Gottes repräsentieren", so der 97-Jährige. "Auch hier kann man nicht von einer Synode sprechen, da weder Priester noch Laien den Lehr- und Seelsorgedienst ausüben können, der allein den Bischöfen durch das Sakrament der Heiligen Weihe übertragen ist." Gleichwohl sei es möglich, "kompetenten Laien eine Expertenrolle" anzuvertrauen. Hierbei solle man jedoch auf den "unpassenden Gebrauch" von Begriffen wie "Synode" oder "Synodalität" verzichten.
Nicht mit katholischer Ekklesiologie vereinbar
Für Brandmüller ist es "offensichtlich, dass die Einrichtung solcher Gremien aus dem Wunsch resultiert, säkulare Strukturen und demokratische Verfahren mehr oder weniger unkritisch in das Leben der Kirche einzuführen, um mit der Zeit Schritt zu halten". Dies laufe jedoch darauf hinaus, in der katholischen Welt eine Art Synode einzuführen, die vom protestantischen Modell inspiriert sei. "Es ist offenkundig, dass ein solches Synodalitätsverständnis mit der katholischen Ekklesiologie unvereinbar ist", so der Kardinal. "Wir sollten auch nicht vergessen, welche anderen Auswirkungen – die heute als negativ bezeichnet werden – die wahllose Übernahme säkularer Modelle und Verfahren, die im Laufe der Geschichte immer wieder auftraten, auf das Leben der Kirche hatte."
Als ein Zeichen für die "zunehmende Säkularisierung des Kirchenverständnisses" sieht Brandmüller auch die im späten 19. Jahrhundert auf dem europäischen Festland eingeführten Bischofskonferenzen, die Synoden ersetzt hätten. "Angesichts dieser Bischofskonferenzen mit ihren politischen Untertönen wäre es angebracht, den Synoden der einzelnen Kirchen – die den authentisch kirchlichen Hierarchiestrukturen treu sind – ihre ursprüngliche Bedeutung zurückzugeben."
Der aus dem fränkischen Ansbach stammende Brandmüller ist promovierter und habilitierter Kirchenhistoriker. Er war Präsident des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaften und Präsident der Internationalen Kommission für vergleichende Kirchengeschichte. 2010 wurde Brandmüller von Papst Benedikt XVI. (2005–2013) ins Kardinalskollegium aufgenommen. Brandmüller äußerte sich immer wieder kritisch zu Papst Franziskus (2013–2025). Unter anderen war er Mitunterzeichner von zwei "Dubia-Anfragen", mit denen konservative Kardinäle versuchten, den Öffnungskurs des damaligen Kirchenoberhaupts zu unterbinden. Eine dieser Anfragen richtete sich auch gegen die Weltsynode. Franziskus antwortete innerhalb kurzer Zeit. (cbr)