Weder "Museum" noch "Experimentierlabor"

Dikasteriums-Sekretär: Bei Inkulturation von Liturgie behutsam sein

Afrikanische Frauen singen und schlagen eine Trommel
Bild: Harald Oppitz/KNA

Der spanische Bischof Aurelio García Macías, Untersekretär im vatikanischen Liturgiedikasterium, hat neu ernannte Bischöfe in Missionsgebieten zu Behutsamkeit bei der Inkulturation der Liturgie aufgefordert. "Wir dürfen die Liturgie weder in ein Museum unveränderlicher Formen noch in ein ständiges Experimentierlabor verwandeln", sagte García Macías laut polnischer Nachrichtenagentur KAI im Rahmen des Einführungskurses für neue Bischöfe in Rom. Ein Bischof dürfe nicht als "Liturgiepolizist" auftreten, sondern brauche Mut, "sowohl das zu fördern, was wirklich nützlich ist, als auch das zu bremsen, was noch nicht ausgereift ist", so García Macías.

Der Bischof warnte demnach besonders vor unnötigen Neuerungen, Synkretismus und Folklorisierung des Gottesdienstes. Dabei erinnerte er daran, dass gemäß der Liturgiekonstitution "Sacrosanctum Concilium" des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) Änderungen in der Liturgie nicht eingeführt werden sollten, wenn kein bewährter Nutzen für die Kirche bestehe. Gleichzeitig reiche es nicht aus, Elemente der lokalen Kultur wie ein traditionelles Lied oder einen Tanz einfach in die Liturgie einzuführen. Kulturelle Elemente dürften im Gottesdienst nicht deshalb vorkommen, weil sie effektvoll sind, sondern um dem gefeierten Geheimnis zu dienen.

"Liturgie nicht unser eigenes Werk"

Eine richtig verstandene Inkulturation der Liturgie könne der Evangelisierung dienen, da sie den Menschen ermögliche, zu entdecken, dass Christus "ihnen nicht fremd ist", sagte García Macías. "Letztendlich ist die Liturgie nicht unser eigenes Werk. Es ist Christus, der weiterhin in seiner Kirche wirkt."

Vergangene Woche begann in Rom der sogenannte "Baby-Bischofs-Kurs" für Bischöfe aus aller Welt, die in den vergangenen Monaten ernannt worden waren. Die Fortbildungsveranstaltungen enden an diesem Donnerstag. Insgesamt nahmen diesmal 147 Bischöfe daran teil. Diese waren in zwei Gruppen unterteilt: 49 waren beim vom Dikasterium für Evangelisierung angebotenen Kurs dabei, der sich an Bischöfe in Missionsgebieten etwa in Asien, Afrika und Lateinamerika richtet, die diesem Dikasterium unterstellt sind.

98 Geistliche besuchten den vom Dikasterium für die Bischöfe organisierten Kurs. Unter ihnen waren aus dem deutschsprachigen Raum der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl, der Mainzer Weihbischof Joshy Pottackal, der Hildesheimer Diözesanadministrator und Weihbischof Martin Marahrens sowie der ernannte Hamburger Weihbischof Johannes Zehe. (mal)