Furore wegen Beisetzung von Ratko Mladić

Ermittlungen gegen Metropoliten nach Würdigung von Kriegsverbrecher

Orthodoxe Liturgie
Bild: IMAGO / Pixsell

Die Staatsanwaltschaft im montenegrinischen Podgorica ermittelt gegen den serbisch-orthodoxen Metropoliten Metodije. Das bestätigte die Höhere Staatsanwaltschaft in Podgorica am Donnerstag gegenüber katholisch.de. Hintergrund sind Äußerungen des Oberhaupts der Eparchie Budimlja und Nikšić mit Sitz in Berane im Nordosten Montenegros. Metodije hatte bei einem Gedenkgottesdienst den wegen Völkermords verurteilten Kriegsverbrecher Ratko Mladić als "heiligen serbischen Krieger" gewürdigt.

Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, hatten mehrere Nichtregierungsorganisationen Strafanzeige gegen den Bischof erstattet. Die Anzeige war zunächst bei der Staatsanwaltschaft in Rožaje eingegangen und anschließend wegen der Zuständigkeit an die Höhere Staatsanwaltschaft in Podgorica übermittelt worden. Gegenstand ist der Verdacht der Aufstachelung zu nationalem, rassistischem und religiösem Hass.

Konkret bezieht sich die Strafanzeige nach Angaben der Staatsanwaltschaft auf Metodijes öffentlichen Auftritt, seine Äußerungen und die Würdigung einer wegen Kriegsverbrechen verurteilten Person. Der Fall befinde sich derzeit im Stadium der Vorermittlungen. Die Staatsanwaltschaft werde alle gesetzlich vorgesehenen Maßnahmen ergreifen, um die Vorwürfe aus der Strafanzeige zu überprüfen und eine abschließende Entscheidung zu treffen, heißt es in dem Antwortschreiben auf eine katholisch.de-Anfrage.

Kirchenoberhaupt leitete Beisetzung

Vor rund zwei Wochen war Mladić im Gefängniskrankenhaus in Den Haag gestorben. 2017 hatte das UN-Kriegsverbrechertribunal den früheren bosnisch-serbischen Armeechef wegen Völkermords, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen während des Bosnienkriegs zu lebenslanger Haft verurteilt. Sein Name ist vor allem mit dem Massaker von Srebrenica im Jahr 1995 verbunden. Bosnisch-serbische Truppen unter seinem Kommando nahmen damals die UN-Schutzzone ein; anschließend wurden rund 8.000 muslimische Männer und Jungen ermordet. Mladić wurde zudem für Verbrechen während der fast vierjährigen Belagerung der bosnischen Hauptstadt Sarajevo verurteilt.

Seine Beisetzung am Montag wurde vom Oberhaupt der Serbisch-Orthodoxen Kirche (SPC), Patriarch Porfirije Perić, geleitet. In seiner Predigt stellte der Patriarch die Urteile gegen Mladić infrage und würdigte dessen Rolle während des Krieges: "Er brachte ein Opfer und gab sein Leben für die Verteidigung und das Überleben seines Volkes hin."

Patriarch Porfirije Peric und der serbische Präsident Aleksandar Vucic
Bild: © picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Darko Vojinovic

Patriarch Porfirije Peric und der serbische Präsident Aleksandar Vucic

Der Fall Metodije trifft in Montenegro auf ein politisch und gesellschaftlich sensibles Umfeld. Die Rolle der Serbisch-Orthodoxen Kirche im Land sorgt seit Jahren für Kontroversen und ist eng mit Fragen der nationalen Identität sowie dem Verhältnis zum Nachbarland Serbien verbunden. Im Zentrum der Auseinandersetzungen stehen unterschiedliche Interpretationen der Stellung der orthodoxen Kirche in Montenegro vor und nach der Vereinigung mit Serbien im Jahr 1918 sowie die Frage nach dem Eigentum und der Verwaltung zahlreicher Kirchen und Klöster. Während die SPC ihre heutige Stellung als Fortsetzung einer jahrhundertealten orthodoxen Tradition in Montenegro versteht, sehen montenegrinische Unabhängigkeitsbefürworter in ihrem starken gesellschaftlichen Einfluss auch ein Instrument des politischen und kulturellen Einflusses Serbiens.

Besonders zugespitzt hatte sich der Konflikt Ende 2019 nach der Verabschiedung eines neuen Religionsgesetzes, das Massenproteste der SPC und ihrer Anhänger auslöste. Spätere Gesetzesänderungen und ein 2022 geschlossener Grundlagenvertrag zwischen der montenegrinischen Regierung und der SPC entschärften den institutionellen Konflikt. Die grundlegenden Auseinandersetzungen um nationale Identität, historisches Erbe und die gesellschaftliche Rolle der SPC bestehen jedoch fort. (mtr)