Papst Leo XIV. hat Neu-Bischöfe zu Offenheit und Nähe gegenüber ihren Gemeinden aufgefordert. "Lieben Sie die Menschen, die der Herr Ihnen anvertraut hat", appellierte Leo XIV. in einer Audienz mit den Teilnehmern des sogenannten Baby-Bischof-Kurses am Donnerstag im Vatikan. Die Fortbildung richtet sich an die im vergangenen Jahr ernannten Oberhirten. Seit 1994 findet sie jährlich statt. Die Teilnehmer erhalten einen Einblick in die Arbeit der Weltkirchenverwaltung und tauschen sich untereinander aus.
Der Papst unterbreitete den knapp 150 Bischöfen von fünf Kontinenten praktische Vorschläge für den Umgang mit den Gläubigen: "Lernen Sie ihre Namen kennen, hören Sie sich ihre Geschichten an, besuchen Sie sie, wann immer es Ihnen möglich ist, in ihren Häusern, und beten Sie mit ihnen." Die Anwesenheit eines Bischofs mache viel aus: "Ein Besuch, ein Segen, die einem Priester gewidmete Zeit, das Zuhören gegenüber einer Familie, das Gespräch mit einem Jugendlichen: Das sind kleine Gesten, doch sie können einem Menschen ein Leben lang im Herzen bleiben."
Besondere Aufmerksamkeit den Priestern
Das Wesen der bischöflichen Vaterschaft sei es, ein großes Herz zu haben – "groß genug, um allen Platz zu bieten, die eigenen Kinder in sich zu tragen und sie jeden Tag im Gebet dem Herrn darzubringen". Besonderes Augenmerk gelte dabei den Priestern. "Hören Sie ihnen zu, ermutigen Sie sie, beten Sie für sie, freuen Sie sich über das Gute, das sie tun, und begleiten Sie sie vertrauensvoll in ihrem Dienst", so der Papst. Älteren und kranken Priestern sollten die Bischöfe das Gefühl geben, dass sie wertvoll sind und die Kirche ihnen dankbar ist.
In seiner Ansprache widmete sich Leo XIV. auch gesellschaftlichen Herausforderungen wie der Künstlichen Intelligenz (KI) und verwies auf sein dazu im Mai veröffentlichtes Lehrschreiben. "Mit der Enzyklika Magnifica humanitas glaube ich, in erster Linie den Hirten der Kirchen eine Vision und eine Methode angeboten zu haben, um die große Herausforderung des Schutzes des Menschlichen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz anzugehen." Der Papst ermutigte die Bischöfe, in ihren Bistümern Wege der Reflexion und des Dialogs darüber zu fördern.
Das Thema des von mehreren Vatikanbehörden organisierten Einführungskurses lautete "Bischöfe, Diener der Gemeinschaft in der Kirche und in der heutigen Welt". Aus dem deutschsprachigen Raum nehmen der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl, der Hildesheimer Diözesanadministrator, Weihbischof Martin Marahrens, sowie die Weihbischöfe Joshy Pottackal (Mainz) und Johannes Zehe (Hamburg) am aktuellen Bischofskurs teil. (KNA)