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So "anders" ist das islamische Credo gar nicht

So "anders" ist das islamische Credo gar nicht
Bild: KNA

Am morgigen Tag begeht die Kirche den Gedenktag "Mariä Namen". Dieser blickt zurück auf den 12. September 1683, als die christlichen Heere unter dem Oberbefehl des polnischen Königs Johann III. Sobieski die zweite Türkenbelagerung mit der siegreichen Schlacht am Kahlenberg vor Wien beendeten. Das ist inzwischen Geschichte – bereits 2006 stellte der damalige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble unaufgeregt fest, der Islam sei ein Teil Deutschlands und Europas.

Fraglos gibt es gewaltbereiten Islamismus, der seine Metastasen auch in Deutschland hat. Gleichwohl verbietet sich die dümmliche Unterstellung, der Islam sei eine politische Ideologie, die mit dem Grundgesetz nicht vereinbar ist – so Beatrix von Storch. Analog unerleuchtet ist die Aussage, die AfD lehne das Minarett als islamisches Herrschaftssymbol ab. Irreführend ist auch das Geschwafel über eine "Islamisierung" – der Anteil muslimischer Mitbürger*innen in Sachsen-Anhalt etwa liegt bei 2,7 Prozent. Erhellend in dieser hoch emotionalen und wenig informierten Gemengelage sind die Äußerungen des renommierten Islamexperten Mouhanad Khorchide, das vorgebliche Problem werde dann stärker, so Muslime als "die anderen" stigmatisiert werden. Dadurch polarisiere sich die Gesellschaft – dies ist offenkundig nicht nur Parteiprogramm.

So "anders" ist das islamische Credo nämlich gar nicht: Bereits der unter islamischer Herrschaft lebende Kirchenvater Johannes von Damaskus (um 650–754) stufte den Islam nicht als eine neue Weltreligion ein, sondern betrachtete ihn als eine christliche "Häresie". Damit meinte er eine alternative Form des byzantinischen Christentums, das eine eigenständige Interpretation der Gestalt Jesu, des Sohnes der Maria, verficht. Diese Formulierung wird an die 100 Mal im Koran erwähnt – ein klares Indiz dafür, dass hier christologische Debatten geführt werden. Es geht nicht um eine "politische Ideologie".

Der 12. September könnte ein Anlass sein, die Bedeutung des Gottesboten aus Nazareth neu zu bedenken – im Bunde nicht nur mit unseren jüdischen "älteren Brüdern" (Johannes Paul II.), sondern auch mit den "jüngeren Geschwistern". Und dies gerne bei Döner und Baklava, die auch in Sachsen-Anhalt zu Deutschland gehören.

Oliver Wintzek

Der Autor

Oliver Wintzek ist Professor für Dogmatik und Fundamentaltheologie an der Katholischen Hochschule in Mainz. Zugleich ist er als Kooperator an der Jesuitenkirche in Mannheim tätig.

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