"Ein barbarischer Rückschritt, welch eine Schande"

Benediktinerin Rath nach Sachsen-Anhalt-Wahl: Ich schäme mich

Benediktinerin Rath nach Sachsen-Anhalt-Wahl: Ich schäme mich
Bild: Synodaler Weg/Maximilian von Lachner

Philippa Rath fordert von den Menschen in Deutschland Neubesinnung und den "Blick von uns selbst weg auf unsere Mitmenschen und ihre Würde". Es gehe um "das Fundament unseres Zusammenlebens", schreibt sie in einem Gastbeitrag von Freitag im katholischen Onlineportal "Kirche und Leben".

Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt habe ein "politisches Erdbeben" das Land erschüttert, schreibt die Benediktinerin der Abtei Sankt Hildegard in Rüdesheim-Eibingen. Auf einmal stehe der Wert von Demokratie, Verfassung und offener Gesellschaft scheinbar zur Disposition. "Die unantastbare Würde jedes Menschen ist für viele mit einem Mal nicht mehr selbstverständlich. Welch ein barbarischer Rückschritt, welch eine Schande. Ich schäme mich", kommentiert Rath.

Zeugnis christlicher Nächstenliebe

Die Notwendigkeit zu Neubesinnung und Umkehr erkennt sie auch in der Kirche. So habe zuletzt in einem bayerischen Kloster ein Priester die Oberin gebeten, künftig keine Mitschwestern mit Pflegegrad 3 und höher mehr zur Eucharistiefeier mitzubringen. Denn der Ablauf der Messe und auch er selbst werde durch diese Kranken zu sehr gestört.

Rath fragt an, ob das "das gelebte Zeugnis christlicher Nächstenliebe" sei, "das wir heute so sehr brauchen". Sie empfiehlt, sich stattdessen an Papst Leo XIV. zu orientieren, der sich allen Menschen zuwende, "ihnen ohne Unterschied Liebe, Respekt und Zuneigung schenkt und so in jedem und jeder einzelnen Christus selbst erkennt". Die Benediktinerin ergänzt, die Ordensgemeinschaft habe sich von dem Zelebranten getrennt und sich für ihre Kranken entschieden.

Rath ist bekannt durch ihren Einsatz für Geschlechtergerechtigkeit in der Kirche. Sie engagiert sich im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und wirkte mit am Synodalen Weg der katholischen Kirche in Deutschland. 2020 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz, 2023 den Edith-Stein-Preis. (KNA)