Persönliche Bilanz nach "Baby-Bischofs-Kurs"

Grünwidl: Ein Bischof kann nur lehren, wenn er bereit ist zu lernen

Grünwidl: Ein Bischof kann nur lehren, wenn er bereit ist zu lernen
Bild: Stephan Schönlaub / Erzdiözese Wien

Der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl sieht Lernbereitschaft als eine zentrale Voraussetzung für das Bischofsamt. "Ich habe noch vieles zu lernen. Wir sollen auf keinen Fall diejenigen sein, die in eine Diözese kommen oder diese Aufgabe übernehmen und den anderen sagen, wie es geht", sagte Grünwidl im Interview des Portals "Vatican News" (Donnerstag). Er äußerte sich anlässlich des Einführungskurses für neu ernannte Bischöfe in Rom, der am Donnerstag zu Ende ging.

Grünwidl erklärte, ihm sei während des Kurses erneut bewusst geworden, dass ein Bischof nur dann etwas zu sagen habe, wenn er vorher zuhöre. "Und er kann nur lehren, wenn er auch bereit ist zu lernen." Gerade als Bischof, der neu im Amt ist, habe er sich vorgenommen, "viel zuzuhören".

"Menschen muss man mögen"

Für ihn als Bischof wie für alle anderen Engagierten in der Kirche gälten die "4 M", so Grünwidl weiter: "Menschen muss man mögen." Wenn man das nicht tue, könne man in der Kirche nicht gut arbeiten, "weil es ständig auch um Beziehung, um Gespräche geht und um ein Miteinander, um ein gemeinsames auf dem Weg sein". So sei er sonntags in den Pfarreien unterwegs und reserviere sich einen Tag in der Woche, um etwa mit Menschen in Pflegeeinrichtungen in Kontakt zu kommen. "Ich denke, das ist entscheidend, um zu wissen, was treibt die Menschen um, was sind ihre Freuden, ihre Sorgen, ihre Hoffnungen und dann auch darauf Antwort geben zu können."

Vom Einführungskurs nehme er besonders die "Buntheit und Vielfalt der Weltkirche" mit, betonte der Wiener Erzbischof. Trotz unterschiedlicher Herausforderungen und Probleme in den verschiedenen Teilen der Welt gehe es allen neu ernannten Bischöfen ähnlich wie ihm. "Es gibt noch viele Lernfelder und viele blinde Flecken, wo ich erst darauf komme, was alles auch noch dazu gehört und wo ich aufmerksamer sein sollte." Er habe jedoch den Eindruck gewonnen, dass der Großteil der neu ernannten Bischöfe pastorale Erfahrung und einen pastoralen Zugang hätten. "Bis auf ganz wenige Ausnahmen, die da vielleicht auch einen etwas anderen Schwerpunkt setzen, ist mein Eindruck, der allergrößte Teil dieser neuen Bischöfe sieht sich wirklich auch als Seelsorger und als Hirte", so Grünwidl.

Insgesamt waren knapp 150 Bischöfe beim von mehreren Vatikanbehörden organisierten, rund einwöchigen Kurs versammelt. Der sogenannte "Baby-Bischofs-Kurs" richtet sich an Oberhirten aus aller Welt, die in den vergangenen Monaten ernannt worden sind. Neben Grünwidl, der sein Amt Ende Januar mit seiner Bischofsweihe antrat, waren aus dem deutschsprachigen Raum der Mainzer Weihbischof Joshy Pottackal, der Hildesheimer Diözesanadministrator und Weihbischof Martin Marahrens sowie der ernannte Hamburger Weihbischof Johannes Zehe dabei. (mal)