Es hat lange gedauert, bis die Kirche ihren Frieden mit der Feuerbestattung gemacht hat. Im ersten Jahrtausend galt sie als heidnisch, von der Zeit der Aufklärung an als demonstrative Leugnung der leiblichen Auferstehung. Erst 1963 hatte das Heilige Offizium, das heutige Glaubensdikasterium, Katholiken die Feuerbestattung erlaubt – "es sei denn, sie ist aus Gründen gewählt worden, die der christlichen Glaubenslehre widersprechen", heißt es im Katechismus.
In der Beerdigung des Leichnams sieht die Kirche aber weiterhin die bevorzugte Praxis – dass Priester eingeäschert werden, ist daher unüblich. Noch ungewöhnlicher ist der Fall des italienischen Priesters Don Lanfranco Casali, der jetzt öffentlich wurde. Casali starb schon im vergangenen November im Alter von 93 Jahren. Ein Jahr vor seinem Tod hatte er ein geistliches Testament verfasst und sich dazu in einer Videobotschaft geäußert, die jetzt veröffentlicht wurde: In seinem Alter denke er schon seit Jahren ernsthaft über seinen Tod nach, berichtet er im Video. Nach seinem Tod wolle er sich verbrennen lassen. Aber dabei soll es nicht bleiben: "Als Priester habe ich immer versucht, als Spiegelbild des Lichts Christi zu leben, das im Antlitz der Kirche strahlt."
Dieses Bild des göttlichen Lichts inspirierte den Priester dazu, seine Asche zu einem Diamanten pressen zu lassen. "Es ist mein Wunsch, dass die Asche zu einem Diamanten verarbeitet wird und dieser Diamant an einem heiligen Ort aufbewahrt wird, den die Kirche all jenen widmen wird, die sich in Zukunft für diese Bestattungsart entscheiden." Er wolle sich als kleinen Diamanten verstehen, "der gereinigt werden muss, damit er das Bild Gottes treuer widerspiegeln kann", begründete der Priester seine Entscheidung in dem Video.
Synthetische Diamanten
"Bestattungsdiamanten" sind ein verhältnismäßig junges Phänomen. Diamanten bestehen aus reinem Kohlenstoff und entstehen unter hohem Druck und hohen Temperaturen. Erste Erfolge dabei, aus Kohlenstoff synthetische Diamanten herzustellen, gelangen 1953 dem schwedischen Physiker Erik Lundblad. Bei einem Druck, der dem Fünffachen des Drucks an der tiefsten Stelle des Meeres entspricht, und Temperaturen von fast 2.000 Grad Celsius entstehen aus dem unansehnlichen Kohlenstoff Kristallstrukturen. An eine neue Bestattungsart dachte Lundblad damals wohl nicht. Erst seit Anfang der 2000er-Jahre wird die Technik nicht nur für Diamanten für die industrielle Nutzung und für Schmuck benutzt, sondern auch, um aus der Asche Verstorbener Edelsteine herzustellen. Typisch für solche Diamanten aus der Asche Verstorbener ist ein bläulicher Schimmer, der durch Einschlüsse des Halbmetalls Bor entsteht.
Don Lanfranco sieht seine Entscheidung theologisch begründet. In seinem Video-Testament erinnert er an Psalm 27 – "Der Herr ist mein Licht und mein Heil" – und an das Johannesevangelium, dessen Prolog Christus als Licht der Welt zeichnet. In seiner eigenen Umwandlung in einen Edelstein sieht der Priester ein Symbol für das Heilshandeln Gottes: "Der Aschermittwoch, der Beginn der großen Osterzeit, erinnert uns daran: Dass wir Asche sind, die aus jenem ursprünglichen Staub stammt, strahlend und funkelnd durch die Gegenwart eines ungeschaffenen Lichtstrahls, und dass wir Staub und Asche sind, die jedoch pulsieren – pulsieren vor Licht, vor Liebe, die vom Staub des Körpers im Licht eines Diamanten widergespiegelt wird."
Glaubenskongregation gegen Asche in Schmuckstücken
Eine derartige christliche Deutung dieser Bestattungsform ist neu. Denn auch wenn aus lehramtlicher Sicht keine grundsätzlichen Erwägungen mehr gegen eine Einäscherung sprechen: Klare Regeln, wie Christen mit der Asche Verstorbener umgehen sollen, gibt es doch. Zuletzt legte die damalige Glaubenskongregation 2016 die Instruktion "Ad resurgendum cum Christo" über die Beerdigung der Verstorbenen und die Aufbewahrung der Asche im Fall der Feuerbestattung vor. Die Asche ist in der Regel an einem heiligen Ort aufzubewahren, meist also auf einem Friedhof. Allenfalls in absoluten Einzelfällen kann die Aufbewahrung von Asche in privaten Wohnungen gestattet werden.
Dass Urnen zuhause auf dem Kaminsims stehen, lehnt die Kirche ab: Auch wenn es keine grundsätzlichen Einwände mehr gegen die Feuerbestattung gibt – der eigentliche Ort für Urnen bleibt nach katholischer Auffassung der Friedhof.
Ausdrücklich verboten wird das Verstreuen der Asche in der Natur ebenso wie die Asche "in Erinnerungsgegenständen, Schmuckstücken oder anderen Objekten aufzubewahren". Damit sollen Missverständnisse "pantheistischer, naturalistischer oder nihilistischer Färbung" vermieden werden. Anders als bei der einfachen Feuerbestattung könnten nämlich für solche Beerdigungspraktiken keine hygienischen, sozialen oder ökonomischen Gründe angeführt werden. Gegen eine "Diamantisierung" spricht noch eine weitere Vorgabe der Instruktion: Die Asche muss an einem Ort aufbewahrt werden, das Verteilen auf mehrere Urnen ist nicht zulässig. Bei dem Verfahren zur Herstellung der Edelsteine bleiben aber in jedem Fall Teile der Asche übrig, die dann anderweitig bestattet werden müssen.
Dass eine "Diamantbestattung" ausdrücklich christlich gedeutet wird, wie es Don Lanfranco tat, war wohl nicht im Horizont der Glaubenskongregation. Nachdem das Video in den italienischen Medien aufgetaucht war, äußerte sich sein Bischof Andrea Andreozzi ausgesprochen knapp. Man sei zwar von der Aufrichtigkeit des letzten Willens des Priesters überzeugt, betone aber doch, dass es eine rein persönliche Entscheidung gewesen sei, die er weder mit dem Bischof noch mit anderen abgesprochen habe. Bei aller Wertschätzung für den Dienst seines verstorbenen Mitbruders schärft Andreozzi anderen Gläubigen aber ein, sich an der Position der Kirche zu orientieren, wie sie die Glaubenskongregation formuliert hat.
Die Diözese Fano-Fossombrone-Cagli-Pergola, zu deren Klerus Casali gehörte, dürfte den letzten Wunsch ihres Priesters also wohl nicht umsetzen, dass der Diamant Ausgangspunkt für eine Bestattungsstätte diamantisierter Überreste wird. Was stattdessen mit dem Edelstein passiert, ist nicht bekannt.