Wer sich auf einen neuen Job bewirbt, lässt den Hinweis auf religiöses ehrenamtliches Engagement laut einer aktuellen Studie besser aus dem Lebenslauf heraus. Das legt ein im September veröffentlichtes Diskussionspapier des arbeitsökonomischen Forschungsnetzwerks IZA Network at LISER mit Sitz in Luxemburg nahe. "Die Angabe von ehrenamtlicher Tätigkeit in einer Kirche oder einer Moschee senkt die Wahrscheinlichkeit, im Auswahlverfahren weiterzukommen, erheblich" – gleichermaßen für christliche wie für muslimische Bewerber, heißt es darin.
Unter dem Titel "Religion Versus Religiosity: What Matters for Hiring?" (auf Deutsch: Religion versus Religiosität: Was ist bei der Einstellung entscheidend?) hatten Forschende der belgischen Universitäten Gent, und Antwerpen sowie der katholischen Universität von Louvain untersucht, ob und welche Art der religiösen Diskriminierung es bei Einstellungen gibt, losgelöst von ethnischen Faktoren.
Professionelle belgische Personalvermittler beurteilten in dem Umfrageexperiment fiktive Bewerberprofile für eine offene Stelle in ihrer eigenen Organisation. Aus den Profilen waren visuelle religiöse Signale und ehrenamtliche Tätigkeiten abzulesen, die entweder auf eine christliche oder muslimische Religionszugehörigkeit hindeuteten.
"Außerhalb des Mainstreams"
Das Ergebnis: Bewerber, deren religiöse Haltung Personalverantwortliche identifizierten, erhielten niedrigere Bewertungen als Bewerber, deren Haltung ihnen unklar blieb. Dieser Nachteil unterschied sich nicht zwischen christlichen, muslimischen und atheistischen Zuschreibungen. Die Bereitschaft, einen Bewerber zum Vorstellungsgespräch einzuladen, sei weiter gesunken, je höhere Religiosität der Person zugeschrieben wurde. Religiöses ehrenamtliches Engagement verringerte die Einstellungschancen deutlich.
Die Angabe einer ehrenamtlichen Tätigkeit in einer Kirchen- oder Moscheegemeinde vermittelt laut dem Diskussionspapier die "Verbundenheit mit einer Gemeinschaft außerhalb des Mainstreams". Ehrenamtliche Tätigkeiten in einer etablierten Gemeinschaftsorganisation verbesserten dagegen die Beschäftigungsfähigkeit und milderten ethnische Diskriminierung bei der Einstellung. Die Verfasser vermuten, diese ehrenamtliche Tätigkeit signalisiere "eine Annäherung an die Mehrheit", ehrenamtliches Engagement innerhalb einer religiösen Gemeinschaft signalisiere dagegen das Gegenteil – und Personalverantwortliche bestraften diese kulturelle Distanz.
Kandidaten, die sich zu einer Religion bekennen, werden laut Studie in den Bereichen Ehrlichkeit, Bescheidenheit, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit sogar höher bewertet als andere. "Ihnen werden also arbeitsrelevante Eigenschaften zugeschrieben, und dennoch werden sie benachteiligt", bilanzieren die Forschenden. Was sinke, sei die Erwartung des Personalverantwortlichen, dass Kollegen und Kunden bereit sein werden, mit den Bewerberinnen oder Bewerbern zusammenzuarbeiten oder zu interagieren. (KNA)