Es waren zwei Rücktritte, die die Kirche in Deutschland zuletzt beschäftigten – und berechtigte Fragen nach den Lehren daraus aufwarfen. Karl-Heinz Wiesemann (Speyer) und Heinrich Timmerevers (Dresden-Meißen) gaben ihre Ämter als Diözesanbischöfe vor der regulären Altersgrenze von 75 Jahren auf. Timmerevers nur einige Monate davor, Wiesemann rund neun Jahre. Erwähnt sei auch Gregor Maria Hanke (Eichstätt), der im vergangenen Jahr vier Jahre vorzeitig als Diözesanbischof zurücktrat.
Die Begründungen waren sehr unterschiedlich. Bei allen schwang jedoch ein Aspekt mehr oder weniger deutlich mit: die Last der Verantwortung und die Bewältigung von Krisen, die viel Kraft kosteten. Der Jesuit und Psychiater Eckhard Frick brachte es im katholisch.de-Interview so auf den Punkt: Bischöfe sind in der aktuellen Situation der Kirche vor allem damit beschäftigt, Missstände aufzuarbeiten und Mangel zu verwalten. "Der Zuversicht, die auch ein Bischof braucht, um gestalten zu können, wird dadurch die Luft abgedrückt."
Das sollte nicht nur mit Blick auf die Belastbarkeit von Bischöfen zu denken geben. Es stellt sich auch die Frage, wie Leitungsverantwortung in der Kirche in Deutschland unter den gegenwärtigen Bedingungen noch genügend Raum für echte Zukunftsgestaltung und geistliche Orientierung lassen kann. Man könnte es auf eine banale Einsicht bringen: Ein Bischof ist auch nur ein Mensch mit nicht endlosen Ressourcen. Und doch bündelt das Amt eine enorme Verantwortung – selbst in Bereichen, für die Oberhirten klassischerweise keine Experten sind: Personalfragen oder Organisationsentwicklung etwa.
Daher kann man die vorzeitigen Rücktritte der genannten Bischöfe durchaus als wichtiges Zeichen deuten: Es sollte ein weiterer Anlass sein, über ein neues Verständnis bischöflicher Leitung nachzudenken. Mehr Delegation an neu geschaffene Ämter wie in einigen Diözesen ist sicher ein Teil der Lösung, aber nicht alles. Das Abschlussdokument der Weltsynode spricht davon, dass das Bischofsamt aufgewertet werde, wenn es von der aktiven Beteiligung des ganzen Volkes Gottes getragen werde (Nr. 71). Konkrete Vorschläge, wie man Verantwortung in der Kirche noch breiter aufteilen kann, sind schon in der Welt. Sowohl die Weltsynode als auch der Synodale Weg in Deutschland haben welche gemacht.
Der Autor
Matthias Altmann ist Redakteur bei katholisch.de.
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