Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat die Privataudienz mit Papst Leo XIV. als sehr positiv wahrgenommen. "Es war ein sehr freundliches Gespräch, ein sehr interessiertes Gespräch und er hat glaube ich auch eine Sympathie für uns. Das darf man auch sagen", sagte Kohlgraf in einem Interview mit dem katholischen Fernsehsender "K-TV" (Montag). Papst Leo XIV. hatte Kohlgraf zusammen mit dem Mainzer Weihbischof Joshy Pottackal am 31. August in Privataudienz empfangen.
"Das, was man über Papst Leo immer sagt, dass er gut zuhört, das haben wir auch erlebt", berichtete Kohlgraf. Der Papst habe "kluge Nachfragen" gestellt, die zeigten, dass er die Situation in Deutschland kenne. Er habe den Eindruck, dass das Kirchenoberhaupt verstanden habe, dass es den Kirchenvertretern in Deutschland trotz unterschiedlicher Positionen ein Anliegen sei, das Evangelium zu verkünden, so der Mainzer Bischof. Gleichzeitig sehe Papst Leo die Schwierigkeiten und habe auch kritische Fragen gestellt. "Aber natürlich weiß er auch, dass wir nicht auf dem Weg sind einer Spaltung oder eines Sonderwegs. Wir sind auf dem Weg mit Rom, auch mit der Weltsynode, unsere Kirche hier in diesem Land zu gestalten."
"Es ist noch nicht der große religiöse Aufbruch"
Im Interview sprach Kohlgraf auch über die Reise der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz nach Frankreich im Juni, um den dortigen starken Anstieg der Zahlen erwachsener Taufbewerber zu erkunden. Kohlgraf betonte, dass auch die französischen Bischöfe von den Entwicklungen überrascht seien und der Anstieg sich nicht auf eine missionarische Perspektive zurückführen lasse. Gleichwohl habe die Kirche in Frankreich mit "klugen pastoralen Konzepten" darauf reagiert. Von den Erfahrungen aus Frankreich könne man daher nicht lernen, wie sich missionarische Konzepte stricken ließen, sondern wie man auf Bewegungen reagieren könne, die der Heilige Geist ausgelöst habe. "Und da braucht es offene Gemeinde, da braucht es Menschen, die wissen, wie kann ich denn Taufbewerber begleiten."
Kohlgraf betonte: "Es ist noch nicht der große religiöse Aufbruch." So gehe auch in Frankreich die Zahl der Kindertaufen und Jugendfirmungen erheblich zurück. "Auch die Zahlen der Taufbewerber ändern nichts daran, dass Frankreich ein im Grunde radikal säkulares Land ist", so Kohlgraf. Die hohe Zahl der Tauf- und Firmbewerber würden diese Bewegung nicht umdrehen. "Aber sie bringen Leben in die Diözesen, sie bringen Leben in die Gemeinden", betonte der Bischof. Damit würden sie auch andere Katholiken und Christen insgesamt einladen, sich mehr Gedanken über die Bedeutung der eigenen Taufe und Firmung zu machen. (cbr)