Der Passauer Bischof Stefan Oster sieht im weltweiten synodalen Prozess der Kirche einen anderen Ansatz als im deutschen Reformprojekt Synodaler Weg. Während dieses aus seiner Sicht stark politisch und als öffentlicher Diskurs geprägt sei, habe die von Papst Franziskus einberufene Weltsynode von Beginn an auf geistliche Unterscheidung und Gespräche in einem geschützten Raum gesetzt.
Synodalität sei für ihn "eine große Hoffnung für die Kirche in einer schwierigen Zeit" und "eine Hoffnung für eine polarisierte Gesellschaft", sagte Oster am Mittwoch der österreichischen Agentur Kathpress. Er äußerte sich am Rande des bis Donnerstag dauernden internationalen Synodenworkshops im oberösterreichischen Puchberg. Dort wollen rund 180 Teilnehmer aus mehr als 30 Ländern unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven zusammenführen, um eine "Roadmap" für die weitere Umsetzung der Weltsynode zu entwickeln.
Der Synodale Weg in Deutschland sei als Reaktion auf die Missbrauchsstudie gestartet worden, so Oster weiter. Dabei habe er den Prozess von Anfang an "relativ stark als auf bestimmte Ziele ausgerichtet" wahrgenommen und auch als "politischen Prozess". Vor allem sei es um Themen wie Sexualmoral, priesterlicher Zölibat, Macht in der Kirche und um die Frage nach Frauen und Ämtern gegangen. Die geistliche Dimension sei aus seiner Sicht weniger präsent gewesen.
Kein Parlament, keine Politik
Anders habe er die vatikanische Weltsynode erlebt, an der er selbst zweimal teilgenommen hat. Von Beginn an sei klar gewesen: "Der Protagonist ist der Heilige Geist." Es habe deshalb auch keine fertige Agenda gegeben. Papst Franziskus habe zudem betont: "Wir sind kein Parlament. Wir machen auch keine Politik." Die Erfahrungen mit dieser Gesprächsform hätten auch zwischen unterschiedlichen kirchenpolitischen Lagern gute persönliche Beziehungen ermöglicht, so Oster.
Für den zukünftigen Weg der Kirche in Deutschland erwartet der Bischof eine Debatte über die geplante Synodalkonferenz. Deren Satzungsentwurf liege derzeit im Vatikan, wobei nach seiner Einschätzung eine Antwort aus Rom wohl erst im Frühjahr 2027 zu erwarten sei. Zugleich beobachte er eine zunehmende Unklarheit darüber, was mit Synodalität in Deutschland jeweils gemeint sei: "Welcher normale Laie, der nur Überschriften liest, weiß denn noch, was Synodalität heißt, angesichts der ganz unterschiedlichen Formate, die es unter diesem Stichwort gibt?"
In seinem Bistum Passau, so Oster weiter, habe er vor einigen Monaten ein Synodalteam eingerichtet, das nun arbeite und ausgebildet werde. Zudem habe er Mitglieder seines Diözesanrats in synodale Erfahrungen einbezogen. Der Prozess sei allerdings langwierig, räumte der Bischof ein. Auch in seiner bischöflichen Praxis verstehe er Synodalität vor allem als Zuhören, fügte der Bischof hinzu. Er bemühe sich in den Leitungsgremien um eine "offene, ehrliche, angstfreie Kommunikation". Die Mitglieder dürften und sollten ihn kritisieren. Transparenz bei Entscheidungen und Rechenschaft darüber, warum etwas getan werde, gehörten ebenfalls zu den synodalen Prinzipien. (KNA)