Weihe soll 2028 stattfinden

Bischof: Ausbildung verheirateter Männer für Priesterweihe begonnen

Bischof: Ausbildung verheirateter Männer für Priesterweihe begonnen
Bild: KNA / Julia Steinbrecht

Der Antwerpener Bischof Johan Bonny hat mit der Ausbildung mehrerer verheirateter Männer begonnen, um sie 2028 zu Priestern zu weihen. Der Prozess laufe "transparent und diskret, abseits der Aufmerksamkeit der Medien" ab, sagte Bonny der belgischen Zeitung "La Libre Belgique" (Montag). Die theologische und pastorale Ausbildung entspreche der anderer Priesteranwärter. "Die Kriterien sind dieselben wie für ständige Diakone", erklärte der Bischof: Die Kandidaten müssten mindestens 35 Jahre alt sein, ihre Ehefrau müsse die Zustimmung geben, und sie müssten ein stabiles Familienleben führen. Außerdem dürfen sie keine Kleinkinder mehr haben.

Bonny erklärte, er sei im Juni nach Rom gereist und habe dort den Präfekten des Klerus-Dikasteriums, Kardinal Lazarus You Heung-sik, sowie den Generalsekretär der Bischofssynode, Kardinal Mario Grech, getroffen. "Ich habe ihnen anhand von Zahlen dargelegt, dass Flandern seine Reserven aufgebraucht hat", schilderte der Bischof. "Sie sagten mir, sie würden dies mit Papst Leo besprechen."

Belgische Bischöfe beim Papst – ohne Bonny

Im August waren der Brüsseler Erzbischof Luc Terlinden sowie die Bischöfe Patrick Hoogmartens (Hasselt) und Jean-Pierre Delville (Lüttich) zusammen mit dem Generalsekretär der belgischen Bischofskonferenz, Bruno Spriet, für eine Privataudienz mit Papst Leo XIV. nach Rom gereist. Bonny sagte im Interview, er gehe davon aus, dass sie auch über die Priesterweihe verheirateter Männer gesprochen hätten. Bonny beruft sich bei seiner Entscheidung auch auf Diskussionen innerhalb der belgischen Bischofskonferenz. Gleichwohl bezeichnete Terlinden die Entscheidung Bonnys kürzlich als "seine eigene Initiative".

Der Erzbischof von Mechelen-Brüssel, Luc Terlinden, bei einer Pressekonferenz
Bild: © IMAGO / Belga (Archivbild)

Der Erzbischof von Mechelen-Brüssel, Luc Terlinden, bezeichnete verheiratete Priester im Juli in einem Interview als eine "Bereicherung für die Kirche". Zur Ankündigung Bonnys äußerte er sich dagegen verhalten. "Die Position des Bischofs von Antwerpen ist seine eigene Initiative, aber selbstverständlich kann er ohne die Erlaubnis des Papstes keine verheirateten Priester weihen."

Der Antwerpener Bischof nannte sein Vorgehen pragmatisch statt ideologisch. "Die Notwendigkeit zwingt mich dazu." Inzwischen habe seine Diözese lediglich 70 Priester unter 70 Jahren. Das betreffe nicht nur die Pfarreien. "In unserem Bistum ist derzeit kein Priester einem Krankenhaus, einer Jugendgruppe oder einer Schule zugeordnet. Von den fünf Gefängnissen in der Provinz Antwerpen hat nur noch eines einen festen Gefängnisseelsorger", so Bonny. "Das ist völlig unzureichend."

Bonny hatte im März in einem Hirtenbrief angekündigt, bis 2028 verheiratete Männer zu Priestern zu weihen. "Die Frage ist nicht mehr, ob die Kirche verheiratete Männer zu Priestern weihen kann, sondern wann sie es tun wird und wer es tun wird. Jede Verzögerung wirkt wie eine Ausrede." Der Bischof begründete den Schritt mit dem Priestermangel in seiner Diözese und Umsetzung der Ergebnisse der Weltsynode. "Es ist eine Illusion, zu denken, dass ein ernsthafter synodal-missionarischer Prozess im Westen noch eine Chance ohne die Weihe verheirateter Männer zu Priestern hat."

Im katholisch.de-Interview anlässlich seiner Ankündigung erklärte der Bischof, er habe elf Jahre lang im Vatikan gearbeitet und kenne Bischöfe und Kardinäle, die die Weihe verheirateter Männer zumindest für Westeuropa befürworteten. "Ich habe noch immer so viel Vertrauen in die Leitung der Kirche, dass sie es verstehen und für eine Lösung sorgen werden", so Bonny. "Ich vertraue noch immer darauf, dass am Ende die Redlichkeit und der gute Wille so groß sein werden, dass man sagt: 'Warum nicht?'" (cbr)