Jetzt auch nachts

Oktoberfest von oben: Ein Kirchturm vermittelt das schönste Panorama

Blick über die Theresienwiese beim Oktoberfest in München.
Bild: KNA/Dieter Mayr

Die Wiesn lockt ab Samstag für 16 Tage nicht nur Millionen Bierfans aus aller Welt nach München. Auch der puren Schaulust wird einiges geboten: Das Oktoberfest von oben bei Nacht ist zum Beispiel ein exquisites sinnliches Erlebnis, gar nicht teuer und ermöglicht von der katholischen Kirche.

Wer sich einen ersten Überblick über das größte Volksfest der Welt verschaffen will, begibt sich auf die Anhöhe, auf der die Bavaria steht. Allerdings herrscht dort zur Wiesnzeit extrem starker Andrang.

Der Bavaria in den Kopf steigen

Für fünf Euro lässt die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung jeweils eine Handvoll Gäste über eine enge Wendeltreppe noch 18 Meter höher ins Kopfinnere der Bronzestatue steigen. Schlitze in den Augen und Haarlocken der Patronin Bayerns gewähren einen Ausblick auf Festzelte und Fahrgeschäfte – wenn auch eingeschränkt durch die schmalen Öffnungen und räumliche Enge. Außerdem ist um 20.00 Uhr Schluss.

Doppelt so viel bezahlen muss, wer sich mit dem Riesenrad 50 Meter nach oben schaukeln lässt. Für neun Euro geht es noch 30 Meter höher auf dem Sky Fall Tower. Vor dem Sturz in die Tiefe vom welthöchsten mobilen Freifallturm bleiben den Mutigen aber maximal drei Sekunden für eine Umschau. Für einen Schnappschuss ganz schön ambitioniert.

Die Kirche Sankt Paul in München, im Vordergrund Fahrgeschäfte des Oktoberfests
Bild: © IMAGO / Stefan M Prager (Archivbild)

Die Kirche Sankt Paul liegt in unmittelbarer Nähe zur Festwiese des Oktoberfests in München.

Mehr Zeit, die Augen über das Festgelände schweifen zu lassen, lässt für denselben Preis der Jules Verne Tower allen, die gern Kettenkarussell in großer Höhe fahren. Mit einer Geschwindigkeit von 65 Stundenkilometern dreht man ganz oben seine Runden. Auch dieser Spaß ist von begrenzter Dauer. Die gesamte Fahrzeit beträgt nicht mehr als drei Minuten, wovon allein 40 Sekunden fürs allmähliche Hochschrauben vonnöten sind.

Die günstigste und schönste Aussicht vermittelt der Hauptturm der neugotischen katholischen Kirche Sankt Paul im Norden der Festwiese. Ein Dutzend Ehrenamtliche machen es dort nur zur Wiesnzeit möglich, die Aussichtsplattform in 50 Metern Höhe zu erklimmen – zu Fuß über insgesamt 252 Treppenstufen, einen Aufzug gibt es nicht. Dafür braucht man nicht schwindelfrei zu sein. Und ist mit 4 Euro dabei. Jedoch wird geschaut, dass nicht mehr als 40 Personen zugleich hinaufsteigen. Denn auch dort oben geht es beengt zu.

360-Grad-Panorama vom Kirchturm

Die Balustrade bietet ein umfassendes Panorama Münchens, denn sie ist rund um den Turm begehbar. Weil der Rundgang kaum Platz für Ausweichmanöver bietet, gilt eine Art Einbahnstraßengebot. Die Verweildauer wird nicht kontrolliert, wie Verwaltungsleiter Oliver Schulze Nahrup erläutert. Man belässt es beim Appell an alle Schaulustigen, aufeinander Rücksicht zu nehmen. Immerhin sind es jedes Jahr einige Tausend Menschen, die sich dieses exklusive Vergnügen gönnen.

Wenn man Pech hat und es regnet, wird man zwar etwas nass, denn die Plattform hat kein Dach. Und Schirme mitzunehmen, ist nicht gestattet. Auch ist für Stative und sonstiges Gepäck da oben kein Platz.

Kerzen erhellen die Dunkelheit und spenden Trost.
Bild: © Adobe Stock/Volodymur (Symbolbild)

In der Paulskirche können die Besucher Kerzen entzünden, Tafeln beschreiben oder Karten mitnehmen.

Dafür ist der Aussichtsbalkon 2026 erstmals montags, mittwochs, freitags und samstags bis 22.00 Uhr geöffnet. Das Lichterspektakel und der Budenzauber unterm Nachthimmel dürften so noch intensiver zur Geltung kommen.

"Mogst reden?"

Mit den längeren Öffnungszeiten entsprechen die Verantwortlichen in Sankt Paul einem vielfach geäußerten Wunsch aus dem Publikum. Und noch etwas ist in diesem Jahr neu: Für die Besucherinnen und Besucher der Kirche gibt es während der Turmöffnungszeiten erstmals ein Gesprächsangebot, an dem sich rund 20 Gemeindemitglieder beteiligen. Wenn nicht gerade Gottesdienst ist, sind sie ansprechbar unter dem Motto "Mogst reden?"

Die Idee dazu hatte die in Sankt Paul als Gemeindeassistentin tätige Ordensfrau Katharina Eiblmeier (34). "Es heißt ja, dass Seelsorge da sein soll, wo die Menschen sind", sagt die Heilig-Kreuz-Schwester. Entstehen soll ein offener Raum für Fragen, Zweifel, Dank und Hoffnung – ein Ort der Stille, des Gesprächs und der Hoffnung mitten im Trubel der Wiesn.

"Man kann eine Kerze entzünden und dabei ein Gebet sprechen oder Tafeln, auf denen Fragen stehen, beschreiben oder Bibelverse und Dank-und-Bitte-Karten, die von uns in vielen Sprachen aufgelegt worden sind, mitnehmen."

Christoph Renzikowski (KNA)