Vielfalt für viele beängstigend

Bischof Neymeyr: Vielfalt statt völkischem Nationalismus

Ulrich Neymeyr beim Einzug zum Abschlussgottesdienst auf dem Katholikentag 2024 in Erfurt.
Bild: KNA/Harald Oppitz

Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr hat für einen offenen Umgang mit gesellschaftlicher Vielfalt geworben. "Die Welt ist bunt und vielfältig", sagte Neymeyr am Sonntag bei der Bistumswallfahrt in Erfurt laut Manuskript. "Viele erleben diese Vielfalt als beängstigend. Dann haben jene leichtes Spiel, die eine bestimmte Identität als die einzig wahre vorgeben wollen."

Gefährlich sei die Identität des völkischen Nationalismus, führte Neymeyr aus, ohne die in Teilen rechtsextreme AfD beim Namen zu nennen. Schon früher habe sich gezeigt, dass eine Überspannung des Nationalismus zu Geringschätzung und zum Hass gegen fremde Völker führe, insbesondere auch gegen Juden. Die deutschen Bischöfe hatten Anfang 2024 eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, in der sie die Unvereinbarkeit von völkischem Nationalismus und Christentum aufzeigen.

Völkische Identität?

Gegen ein solches Identitätsmodell des völkischen Nationalismus spreche auch die Lebenswirklichkeit vieler Menschen, so Neymeyr weiter. "Nicht jeder Mensch hat nur eine völkische Identität, es gibt Menschen mit Eltern aus verschiedenen Völkern. Außerdem ist die Zugehörigkeit zu einem Volk, gerade in Deutschland, vielen nicht so wichtig."

Identität habe viele unterschiedliche Seiten, sagte der Bischof. Für viele Menschen seien etwa Familie und Beruf prägend, für andere auch die Zugehörigkeit zu einem Sportverein oder einer Region. "Wir sollten diese Vielfalt schätzen und uns an ihr freuen. Vielfalt macht unser Leben reich und zeigt die grenzenlose Fantasie Gottes, der alle seine Geschöpfe liebt." (KNA)