Die katholische Kirche im nordrhein-westfälischen Senden wehrt sich gegen einen Flyer der lokalen AfD, in dem die Partei das sexualpädagogische Konzept von Kitas in Trägerschaft der Pfarrgemeinde St. Laurentius angegriffen hat. "Am vergangenen Wochenende hat die AfD an einige Haushalte in Senden einen Flyer verteilt, in dem sie sehr polemisch und mit aus dem Zusammenhang gezogenen Informationen das sexualpädagogische Konzept unseres Kita-Verbundes St. Laurentius in Misskredit bringen wollte", sagte der Sendener Pfarrer Oliver Rothe am Donnerstag in einem Interview bei "Kirche+Leben". Inhaltlich sei dies "vollkommen absurd". Das sexualpädagogische Konzept sei mit Bistum und Landschaftsverband Westfalen-Lippe abgestimmt und entspreche sämtlichen gesetzgeberischen Vorgaben und einer zeitgemäßen Pädagogik, die den Menschen ganzheitlich sehe.
"Jede gute Kita muss heutzutage ein derartiges Konzept vorhalten, das auch auf sehr positive Resonanz bei den Eltern stößt", so der Pfarrer weiter. Das sexualpädagogische Konzept sei die Grundlage für Einzelgespräche mit Eltern, um diese Thematik "in einer angemessenen Form und in Abstimmung mit den Eltern" umzusetzen.
AfD will Kita-Konzepte überprüfen lassen
Laut einem Bericht der "Westfälischen Nachrichten" hat die AfD am vergangenen Samstag in Senden und einigen Nachbarorten einen Flyer zum sexualpädagogischen Konzept insbesondere der Kitas in Trägerschaft der katholischen Pfarrgemeinde verteilt. Die Partei habe im Jugendhilfeausschuss des Kreistages Coesfeld durchsetzen wollen, dass die Konzepte sämtlicher Kita-Träger im Kreis überprüft werden. Die Partei befürchte, dass die sexualpädagogischen Konzepte über den Schutz der Kinder hinaus das Ziel hätten, "weltanschauliche oder gesellschaftspolitische Zielsetzungen zu verfolgen, die vom gesetzlichen Auftrag nicht gedeckt sind", so die Zeitung.
Pfarrer Rothe bezeichnete den Flyer der AfD in dem Interview als "niveaulos". Als Christ lehne er die politische Ausrichtung der Partei klar ab. Aber: "Dieser Angriff auf uns jetzt und diese Hetze sind eine Petitesse gegenüber dem, was uns droht, wenn diese Partei die Macht in irgendeinem parlamentarischen Gremium, sei es auf Stadtebene, Landes- oder Bundesebene bekommt." Das müsse allen demokratischen Kräften in der Gesellschaft klar sein. "Die AfD macht vor nichts Halt. Ich sage nur: Wehret den Anfängen! Das, was sich hier im Kleinen abspielt, werden wir als Kirche, als Gesellschaft im Großen erleben." Im konkreten Fall schüre die AfD Ängste, erzeuge Unsicherheit und spalte damit die Gesellschaft. "Das lehnen wir ab. Meine Einschätzung teilen die Menschen, die in unserer Gemeinde leben. Das Entsetzen ist groß."
Pfarrer: Christen müssen sich gegen die AfD zur Wehr setzen
Laut Rothe haben die Mitglieder des Kirchenvorstands mit Empörung auf den Flyer der AfD reagiert. Auch die Eltern der Kita-Kinder hätten sich mit der Kirche als Träger solidarisiert, da sie die Konzepte der katholischen Kitas inhaltlich teilten. "Die Eltern zeigen sich dankbar für unser Konzept und die professionelle Arbeit. Sie stehen dahinter und lassen sich von so einer Polemik nicht beeinträchtigen", so der Pfarrer. Mit Bick auf die Kita-Mitarbeitenden sprach er von einem "Schlag ins Gesicht für jeden, der bei uns in der Kita arbeitet und sich für das Wohl der Kinder einsetzt". Man könne nicht akzeptieren, dass die Arbeit vieler Mitarbeiter in Misskredit gebracht werde.
Rothe kündigte an, dass sich in den Kitas der Pfarrgemeinde nichts ändern werde. "Die AfD wird uns durch ihre Polemik und Ideologie nicht zu irgendeinem Handeln bewegen. Das, was wir tun, ist absolut korrekt, zeitgemäß, entspricht den Gesetzen unseres Landes und auch unseren Wertevorstellungen als katholischer Kirche." Mit Blick auf die Partei selbst fügte er hinzu: "Überall, wo ich eben kann, weise ich darauf hin, dass Christen sich gegen die AfD zur Wehr setzen müssen." (stz)