Mit eindringlichen Worten hat Washingtons Erzbischof, Kardinal Robert McElroy, die US-Amerikaner aufgefordert, sich für einen Wechsel in der Einwanderungspolitik einzusetzen. "Wir können als Nation nicht länger tatenlos zusehen", sagte er laut dem online veröffentlichten Manuskript seiner Predigt zum Welttag der Migranten und Flüchtlinge am Sonntag in Washingtons Kathedrale.
"Jesus weint in unserem ganzen Land um die Kinder, die verhaftet, in weit entfernte Zentren mit schrecklichen Lebensbedingungen gebracht und von ihren Familien getrennt wurden", sagte er. Der Kardinal forderte die Messbesucher auf innezuhalten, das Unrecht zu erkennen, das in ihrem Namen begangen werde, und es zu bekämpfen: "Wir müssen versuchen, unsere politischen Vertreter davon abzubringen, dieses Übel zu tolerieren, oder sie ersetzen", so McElroy.
Der Erzbischof sieht die "Seele der Nation" auf dem Spiel. Angesichts von auseinandergerissenen Familien, Angst unter den Menschen ohne Papiere und dem Leid von Kindern sei gemeinsames Handeln erforderlich: "Denn Jesus weint, und er wird weiterweinen, bis wir an den Straßenrand treten, das Opfer aufrichten, es umarmen und seinen Schmerz zu unserem eigenen machen." In den vergangenen 18 Monaten seien Misstrauen, Spaltung, Grausamkeit und Gewalt an die Stelle der moralischen Tradition der USA getreten. "Seit eineinhalb Jahren sind die Menschen in den Vereinigten Staaten Zeugen des Leidens der Menschen ohne Papiere in unserer Mitte, das von unserer Regierung absichtlich und strategisch aufgebauscht wird", sagte er.
Nicht nur Kriminelle werden abgeschoben
Zunächst habe man die Maßnahmen der Einwanderungsbehörde ICE toleriert, weil es hieß, es seien nur Kriminelle betroffen. "Doch dann wurden wir Zeugen der wahllosen Razzien gegen Landarbeiter und auf den Parkplätzen von Home Depot, in Pflegeheimen und Schulen, und uns wurde klar, dass dies ein Krieg gegen jeden Einwanderer ohne Papiere in unserem Land war, einschließlich derer, die schon seit Jahrzehnten hier lebten und einen enormen Beitrag zur Wirtschaft und Kultur unserer Nation geleistet hatten", so McElroy.
Die Behauptung der Regierung, sie weise Einwanderer aus, weil sie gegen Gesetze verstoßen hätten, indem sie in die USA eingereist seien, hält der Kardinal für hohl: "Mehr als eine Million Einwanderer, die in die USA kamen, um Asyl zu beantragen oder im Rahmen des TPS-Programms als Flüchtlinge aufgenommen zu werden, wurden hier rechtmäßig zugelassen, da eine Rückkehr in ihre Heimat für sie eine Gefahr dargestellt hätte." Nun habe die Regierung beschlossen, dass diese gefährdeten Einwanderer abgeschoben und in die Gefahr ihres Heimatlandes zurückgeschickt würden. "Diese Flüchtlinge haben niemals gegen irgendein Gesetz verstoßen. Sie werden abgeschoben, weil der allgemeine Wunsch besteht, Einwanderer aus der US-amerikanischen Gesellschaft auszuschließen. Sie werden abgeschoben, weil die Bigotterie, die die Geschichte der Einwanderung in den USA oft getrübt hat, in unserem Land erneut grassiert", sagte McElroy. (KNA)