Papst Leo XIV. halte Europäern den Spiegel vor

Kardinal Marx und Mitstreiter wünschen neuen Schwung für Europa

Kardinal Reinhard Marx spricht bei einer Preisverleihung im Vatikan
Bild: KNA/Paolo Galosi/Romano Siciliani

Zum Besuch von Papst Leo XIV. im nordfranzösischen Metz fordern mehrere hochrangige Vertreter aus Kirche und Gesellschaft neuen Schwung für die Europäische Union (EU). In einem am Montag in der französischen Zeitung "La Croix" veröffentlichten Gastbeitrag äußern sich die vier Unterzeichner, darunter der Münchner Kardinal Reinhard Marx, auch zur Geschichte der europäischen Einigung nach dem Zweiten Weltkrieg und würdigen insbesondere deren Väter Jean Monnet und Robert Schuman. Europa befinde sich aktuell im Klammergriff von Zweifeln, Uneinigkeit und nationalistischen Tendenzen, schreiben Marx, der Präsident des renommierten Collège des Bernardins in Paris, Jean-Baptiste de Franssu, Italiens früherer Ministerpräsident Mario Monti sowie die frühere EU-Abgeordnete und französische Verteidigungsministerin Sylvie Goulard.

Erschwerend hinzu kommt aus Sicht der Autoren, dass sich die US-Regierung von Donald Trump und seine "Make America Great Again"-Bewegung, aber auch das Russland von Wladimir Putin offen auf das Christentum beriefen, "wobei sie aber die Werte des Evangeliums mit Füßen treten, indem sie die Ausgrenzung des Anderen und Brutalität predigen". Dies gehe allzu oft in der politischen Debatte unter, während die Werte der europäischen Gründerväter in den Hintergrund träten und Desinformation massiv um sich greife.

Europas Werte verteidigen

Zugleich bedauern die Autoren des Gastbeitrags, dass es proeuropäischen Politikern und Parteien an "Dynamik, Ehrgeiz und einer klareren Zukunftsvision für die EU" mangele. Nötig sei stattdessen, "dass die heutigen europäischen Entscheidungsträger den Mut aufbringen, dem Aufstieg eines engstirnigen Nationalismus entgegenzutreten". Die Gründerväter Monnet und Schuman hätten nach zwei Weltkriegen die Notwendigkeit einer europäischen Einigung erkannt, heißt es weiter. "Wenn es das vereinte Europa dank Schuman nicht bereits gäbe, wäre jetzt der Zeitpunkt, es zu erfinden. Es liegt an uns, es gegen seine äußeren und inneren Gegner zu verteidigen, die miteinander verbündet sind."

Papst Leo XIV., der am Montag in Metz den Einigungsprozess Europas würdigte, halte den Europäern den Spiegel vor, schreiben Marx, de Franssu, Monti und Goulard. Erst kürzlich habe Leo XIV. den besonderen Charakter Europas, seinen unschätzbaren Reichtum als "gegenwärtige und keineswegs überholte Wirklichkeit" gewürdigt. "Was haben wir seit 1950 aus dem Erbe Robert Schumans gemacht?" (KNA)