Modedesigner Guido Maria Kretschmer hat einmal nachzuvollziehen versucht, wie es wäre, ein Ordensgelübde abzulegen. "Ich habe mich einfach in der Kirche auf den Boden gelegt, als keiner da war", sagte er in der neuesten Ausgabe seines Podcasts "feinstoff". Er sei damals mit seiner Schwester in der Kirche gewesen. Wie alt er zu diesem Zeitpunkt war, sagte Kretschmer nicht. Gesprächsgast im Podcast war die Dominikanerin Ursula Hertewich aus dem Kloster Arenberg bei Koblenz.
"Ich wusste nicht warum, aber ich musste mich einmal auf diesen Teppich legen." Er habe gedacht: "Wie ist das einmal vor allen sich hinzulegen und zu sagen: Hallo, jetzt bin ich hier, liege da." Das stelle er sich als intimsten Moment in einem Leben vor: "Vor allen zu sagen: Ich gebe mich jetzt hin."
Enger Bezug zum Kloster
Kretschmer deutete im Podcast an, dass er die Frage nach dem Leben in einem Kloster eine Zeitlang in sich getragen habe. Wie ernsthaft er sich ein Leben im Kloster vorstellen konnte, sagte er nicht. Als Erwachsener sei er als Gast immer wieder im Kloster zum Kurzurlaub gewesen. Er schätze den Rhythmus des Klosterlebens und die Momente der Stille.
Der Glaube begleite ihn seit seiner Kindheit, erzählte Kretschmer. Er sei in einer frommen Familie aufgewachsen und habe eine Klosterschule besucht. "Der Glaube war so ein Geländer, wo wir uns alle festgehalten haben" – etwas "Natürliches, das unterstützt". Noch heute gehe er in fremden Städten vor der Arbeit gerne morgens in die Messe. Vor allem der Friedensgruß gebe ihm das Gefühl: "Jetzt bin ich hier alleine morgens und trotzdem bin ich eigentlich schon verbunden gewesen.
Hertewich: Innerer Sog zum Kloster
Auch Schwester Ursula Hertewich sprach von ihrem Glauben und einem inneren Drang, der sie schlussendlich ins Kloster geführt habe. Eigentlich habe sie mit Ende 20 den Entschluss gefasst: "Alles außer Kloster und auf keinen Fall aus dem Saarland weg." Doch ihr erster Besuch im Kloster Arenberg habe sie überrascht. Die Gemeinschaft sei wider ihren Erwartungen bodenständig und energisch gewesen. "Was für eine Lebensenergie, das hat mich richtig geflasht." Drei Jahre habe sie danach noch mit ihrem inneren Widerstand gegen das Kloster und den Vorurteilen gegen Klöster gerungen. 2006 habe sie sich schließlich für das Kloster entschieden. "Das braucht wahnsinnig viel Mut”, sagte Kretschmer. Sie habe alles auf eine Karte gesetzt. (chd)