Der Erzbischof von Córdoba, Kardinal Ángel Rossi, erwartet Versuche, den Besuch von Papst Leo XIV. in Argentinien zu instrumentalisieren. "Wahrscheinlich wird jede politische Seite versuchen, aus seinem Besuch Kapital zu schlagen. Aber die Stimmung im Volk wird über all diese kleinlichen Interessen hinweggehen", sagte Rossi der Zeitung "La Nación".
Deshalb sollte die Kirche den Blick darauf richten, dass ihr Oberhaupt kommt. "Es ist der Hirte, der seine Herde besucht. Und zur Herde gehören wir alle. Wir alle sind Schafe, wenn man so will: Milei ist ein Schaf und Rossi ist ein Schaf; wir alle gehören zur Herde, jeder an dem Platz, an den Gott ihn gestellt hat", so der Kardinal.
Der Pontifex wird das Heimatland seines Amtsvorgängers Franziskus (2013–2025) vom 8. bis 11. November besuchen. Auf dem Programm stehen Stationen in Buenos Aires, Córdoba und Luján. Zuvor hält sich der Papst vom 6. bis 8. November in Uruguay auf. Anschließend folgt ein siebentägiger Aufenthalt in seiner langjährigen Wirkungsstätte Peru.
Hommage an Vorgänger
Den Besuch des Papstes sieht Kardinal Rossi als eine Hommage an Franziskus. Wörtlich sagte er: "Auch wenn manche die Ankunft Leos mit dem ausgebliebenen Besuch von Franziskus in Verbindung bringen, ist sein Besuch eine sehr feinfühlige Geste seinerseits, denn er ehrt damit Franziskus."
Dennoch werde Leo XIV. ihm zufolge ein Argentinien vorfinden, das angeschlagen sei. Gesellschaftlich sei das Land "sehr niedergeschlagen", zudem sei eine "triumphalistische Sprache" zu hören. Zwar könne nicht von einer katastrophalen Lage gesprochen werden, aber die Wirklichkeit sei "doch sehr fragil". Für Rossi wäre es schöner, wenn die Gesellschaft anerkennen könne, dass "es uns schlecht geht und dass wir gemeinsam versuchen werden, aus dieser Situation herauszukommen, anstatt eine Art Triumphgefühl vorzutäuschen, das nicht der Realität entspricht". (mtr)