Intensives Ringen wird dokumentiert

Konzilstagebuch von Liturgie-Experte online veröffentlicht

Konzilsväter auf ihren Plätzen in der Konzilsaula während des Zweiten Vatikanisches Konzils.
Bild: KNA/Ernst Herb

Das private Tagebuch eines der einflussreichsten Wegbereiter der Liturgie-Erneuerung im 20. Jahrhundert ist jetzt für alle Interessierten online einsehbar. Wie die Universität Innsbruck am Dienstag mitteilte, hat die Katholisch-Theologische Fakultät der österreichischen Universität in der vergangenen Woche eine digitale Edition der privaten Konzilsaufzeichnungen des Jesuiten Josef Andreas Jungmann veröffentlicht.

Jungmann (1889-1975) wirkte beim Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) als Experte mit und prägte die Entstehung der Liturgiekonstitution sowie die vom Konzil eingeleitete Liturgiereform maßgeblich. Zwischen 1962 und 1971 führte der Theologe ein eigenes Tagebuch mit dem Titel "Liturgie auf dem Vaticanum II". In Gabelsberger-Kurzschrift dokumentiert er die Vorbereitungsphase des Konzils mit den ersten Entwürfen von Konzilstexten, die Konzilszeit selbst und die Arbeit im Rat zur Durchführung der Liturgiekonstitution. Jungmann berichtet von Plenumssitzungen, von der Zusammenarbeit zwischen Experten und Konzilsvätern und von Allianzen unter reformfreundlichen Bischöfen.

Intensives Ringen wird dokumentiert

Jugmann spart in seinem Konzilstagebuch auch die Konflikte unter Fachleuten nicht aus. Ein Beispiel vom 5. Oktober 1963: Über eine mögliche Zusammenarbeit mit dem französischen Liturgiewissenschaftler Aimé-Georges Martimort schreibt er: "[Er ist] in allzu vielen Dingen einfach mein Antipode. Das ist deswegen für mich umso schlimmer, weil er ein unheimlicher Diplomat und ein gewiegter Kanonist ist, und außerdem fast unbekehrbar." Solche Passagen, die in offiziellen Protokollen fehlen, zeigen, "wie kontrovers selbst unter den Experten um Positionen gerungen wurde", betont die Universität.

Laut dem Liturgiewissenschaftler Rudolf Pacik ergänzt das "subjektiv gefärbte Zeitdokument" die offiziellen Konzilsakten und "eröffnet neue Perspektiven für die historische Forschung". In der Online-Ausgabe wird der aus der Gabelsberger-Kurzschrift übertragene Text zeichengetreu wiedergegeben und mit erläuternden Verweisen zu Personen und Orten versehen. Ein begleitender Kommentar ordnet das Material ein.

Der gebürtige Südtiroler lehrte von 1930 bis 1956 als Professor für Pastoraltheologie an der Universität Innsbruck. Weltbekannt wurde er durch seine liturgiehistorischen Studien, allen voran das zweibändige Werk "Missarum Sollemnia. Eine genetische Erklärung der römischen Messe". Bereits nach dem Zweiten Weltkrieg beriet er die römische Ritenkongregation. (KNA)