Der US-amerikanische Kardinal Blase Cupich hat Katholiken zum Einsatz für Migranten aufgerufen. Dies sei ein Ausdruck von "Jüngerschaft" und nicht weniger wichtig als der Gottesdienst, sagte der Erzbischof von Chicago in einer Predigt am Wochenende. Gottesdienste und Gebete für Gerechtigkeit seien immer mit aktivem Handeln in der Gesellschaft verbunden.
Cupich kritisierte die aktuelle Migrationspolitik der US-Regierung und forderte weitreichende Reformen. "Wir sprachen über das Klima der Angst und Sorge, das durch Racial Profiling und unmenschliche Einwanderungskontrolle entsteht“, sagte Cupich mit Blick auf ein Treffen der US-Bischöfe im vergangenen November. Strafverfolgung müsse menschlich sein, Verstöße gegen die Menschenrechte aufgeklärt und verfolgt werden. Besonders kritisch sieht Cupich, dass Seelsorger oft keinen Zugang zu Migranten in Haft haben. Er würde darauf bestehen, "Zugang zu Menschen in Haftanstalten zu haben, deren Religionsfreiheit bedroht ist", sagte Cupich.
"Zusammenbruch der eucharistischen Logik"
Der Kardinal lobte den Austausch der US-Bischöfe über die Situation katholischer Migranten. "Wir sagten unseren migrantischen Brüdern und Schwestern, dass wir an ihrer Seite stehen und machten deutlich, dass wir die wahllose Massenabschiebung von Menschen ablehnen“, erklärte Cupich. Von den Katholiken seines Erzbistums erwartet der Erzbischof einen aktiven Einsatz für Migranten. Eucharistie zu feiern und gleichzeitig Fremden gegenüber gleichgültig zu bleiben sei ein "Zusammenbruch der eucharistischen Logik", so Cupich. Chicago sei eine internationale Stadt, die von Einwanderern gegründet wurde. Frühere Generationen von Einwanderern gehörten ebenso zu den katholischen Pfarreien der Stadt wie Afroamerikaner und Menschen lateinamerikanischer und asiatischer Herkunft.
Kardinal Cupich leitet das Erzbistum Chicago mit seinen gut zwei Millionen Katholiken seit 2014. Er widersprich regelmäßig der Politik von Präsident Donald Trump. Neben der Migrationspolitik kritisierte er wiederholt auch die US-Angriffe in Iran. (mbu)