Mit einem Grundsatzreferat über aktuelle Veränderungsprozesse in Ehen und Familien hat am Donnerstag die Arbeitsphase eines weltweiten Bischofstreffens im Vatikan begonnen. Anlass ist das zehnjährige Jubiläum des Texts "Amoris laetitia" von Papst Franziskus (2013–2025). Auf Einladung seines Nachfolgers Leo XIV. beraten bis kommenden Dienstag die Vorsitzenden der 115 Bischofskonferenzen weltweit, die Oberhäupter der katholischen Ostkirchen gemeinsam mit Paaren und Familien aus mehreren Ländern sowie Experten.
Am 14. Oktober beschließt der Papst das Treffen mit einem Gottesdienst. Er selbst nimmt an den Beratungen nicht permanent teil. Zur Eröffnung hatte er am Mittwoch dazu aufgefordert, die Veränderungen von Ehe und Familie als Lernaufgabe anzunehmen, und dabei explizit auch die Bereiche "gelebte Intimität und Sexualität" angesprochen.
Sozialphilosophisches Grundsatzreferat
Am Donnerstag führte der italienische Sozialphilosoph Vincenzo Rosito (47) mit einem Grundsatzreferat in die Beratungen ein. Er lehrt Familien- und Gesellschaftstheorie am "Päpstlichen Theologischen Institut Johannes Paul II." Rosito rief die Teilnehmenden auf, Veränderungen im Leben der Familien als gesellschaftliche Phänomene zu begreifen.
Zu diesen "anthropologisch-kulturellen Veränderungen" gehörten der wachsende Individualismus, die "Kultur des Provisorischen" und die zunehmende Mobilität. Das führe auch zu praktischen Veränderungen in Beziehungen wie etwa Videocalls zwischen entfernt lebenden Partnern.
Was beim "Amoris laetitia"-Treffen in Rom auf dem Spiel steht
Ab Mittwoch kommen die Bischofskonferenz-Vorsitzenden aus aller Welt zusammen, um eine Bilanz zu "Amoris laetitia" zu ziehen. Holger Dörnemann sieht dabei das theologische Vermächtnis von Papst Franziskus gefährdet
Zum ArtikelGrundsätzlich seien solche Veränderungsprozesse nicht in erster Linie "Probleme", sondern menschliches Handeln. Deshalb müsse die Kirche versuchen, auch im veränderten Leben der Familien nicht vor allem Probleme, sondern menschliches Handeln zu sehen. Daraus folge, dass diese Veränderungen "Gelegenheiten zum Lernen" seien. Das gelte etwa für den Gebrauch digitaler Technologien, die tägliche Gewohnheiten der Familien und die Erziehung der Kinder veränderten.
Auch in Asien verändern sich Familien
Der Einfluss von Smartphones auf Familien war auch ein Thema beim ersten Erfahrungsbericht der Versammlung. Der Erzbischof von Goa und Daman, der indische Kardinal Filipe Neri Ferrao (73), gab Einblicke in Trends aus Asien. Er sprach von "tiefen und radikalen Veränderungen im Familienleben". Sie beträfen "Identität, Wesen und Zusammensetzung von Familien".
Dieser Trend betreffe ganz Asien. Ferrao ist Vorsitzender der Föderation Asiatischer Bischofskonferenzen und in dieser Funktion oft in Kontakt mit Geistlichen anderer Länder. Er merkte an, dass sich durch wachsende Mobilität und abnehmende lokale Verwurzelung auch das Verständnis der Geschlechterrollen und der Beziehungen verändere. Die Familien würden kleiner, und es entstünden "neue Formen von Partnerschaft und Zusammenleben." (KNA)