Kurze Lunte: Eine Woche, nachdem Bischof Juan Espinoza Jiménez einen zu engen Meinungskorridor in seinem Heimatland kritisierte, setzt ein Influencer in den Sozialen Netzwerken umgerechnet etwa 2.000 Euro Kopfgeld auf den Kirchenmann aus.
Der Fall schlägt in Mexiko hohe Wellen, so dass sich auch der Vorsitzende der Bischofskonferenz äußert: "Im Moment bin ich mir nicht sicher, wie ernst das zu nehmen ist", zitiert die Zeitung "El Sol del Centro" Erzbischof Ramón Castro. Ein Mörder würde doch nicht in seinem Netzwerk posten, dass er ihn umbringen will, und dafür 40.000 Pesos anbieten. "Aber vielleicht will er uns damit insgeheim einschüchtern", so Castro.
"Er nimmt kein Blatt vor den Mund"
Der Vorsitzende berichtet auch, dass der Bischof von Aguascalientes in Zentralmexiko jüngst zu Beginn eines Gottesdienstes unterbrochen, beleidigt und angeschrien worden sei. Espinoza Jiménez sei eben ein sehr direkter Mensch und sage die Dinge, wie sie sind. "Er nimmt kein Blatt vor den Mund – und hat einige Maßnahmen der Regierung kritisiert", sagte Castro.
Konkret hatte Espinoza Jiménez zuletzt kritisiert, dass in Mexiko zwar viel von Freiheit und Pluralität gesprochen werde, aber Regierungskritikern mit Haftstrafen gedroht werde. Zudem wies der Bischof auch auf Widersprüche zwischen dem Diskurs über die nationale Souveränität und der Kriminalität im Land hin.
Die Drohungen gegen den Bischof sind durchaus ernst zu nehmen: Mexiko gilt als eines der gefährlichsten Länder weltweit für katholische Geistliche.
Die Staatsanwaltschaft von Aguascalientes bereitet inzwischen laut lokalen Medienberichten einen Haftbefehl gegen den Influencer José L. vor und ermittelt wegen Drohung und Verherrlichung von Straftaten. Der Urheber der Drohungen veröffentlichte sein Kopfgeldangebot in einem You-Tube-Kanal von Anhängern der linkspopulistischen Regierungspartei Morena.
Zwischen Regierung und Kirche gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Diskussionen über die Sicherheitslage und den Umgang mit der organisierten Kriminalität. Die Kirche wirft der Regierung von Präsidentin Claudia Sheinbaum vor, zu wenig gegen die Kartelle und die Kriminalität im Land zu unternehmen – und die Opfer alleine zu lassen.
80 ermordete Kirchenleute
Die Drohung gegen den Bischof ist durchaus ernst zu nehmen; denn Mexiko gilt als eines der gefährlichsten Länder weltweit für katholische Geistliche. Das Katholische Multimediale Zentrum (Centro Católico Multimedial) führt 80 ermordete Priester, Ordensleute und katholische Laien seit 1990 auf.
In Mexiko tobt ein blutiger Krieg von rivalisierenden Kartellen und Banden, der allein während der Präsidentschaft des Linkspopulisten Andrés Manuel Lopez Obrador (2018-2024) knapp 200.000 Tote forderte. Im Wahlkampf 2024 schlug die Kirche allen Kandidaten um das Präsidentenamt einen Sicherheitspakt vor, der Dutzende Vorschläge für eine Verbesserung der Lage enthielt. Die spätere Wahlsiegerin und Präsidentin Sheinbaum ging auf Distanz; sie teile die pessimistische Einschätzung der Situation nicht. Das Thesenpapier unterschrieb sie dennoch.