Papst Leo XIV. hat die Studierenden an den päpstlichen Hochschulen in Rom ermahnt, nicht einseitigen und radikalen Interpretationen der Glaubenslehre zu folgen. Er äußerte sich in einer Predigt bei einem Gottesdienst zum Beginn des neuen Studienjahres der akademischen Einrichtungen päpstlichen Rechts in Rom am Donnerstagabend im Petersdom.
Dabei sagte der Papst: "Seit jeher mangelt es nicht an falschen Lehrern, die die religiösen Gefühle zahlreicher Gläubiger für ihre eigenen Interessen nutzen und sie oft dazu verleiten, bestimmte Aspekte der überlieferten Lehre zu Lasten des Ganzen – nämlich Christi und seines Evangeliums – radikal zu interpretieren."
Die Studierenden mahnte Leo XIV., sie sollten das Studium als "Dienst an der Wahrheit" sehen. Bei aller religiösen Begeisterung sollten sie sich weder verzaubern noch verblenden lassen. Vielmehr seien "der Verstand, das Sich-Fragen und Fragenstellen im Lichte des Wortes Gottes und der Tradition der Kirche ein wesentlicher Bestandteil des Glaubensweges in der Nachfolge Jesu Christi".
Fest im Volk Gottes verwurzelt bleiben
Die Kirche habe "den Wunsch und die Verantwortung, den Schatz der Offenbarung unversehrt zu bewahren und in den verschiedenen Kontexten das betende Verständnis, das wissenschaftliche Denken, die kulturelle Vermittlung und die praktische Umsetzung weiterzuentwickeln." Weiter rief Leo XIV. die Studierenden auf, fest im Volk Gottes verwurzelt zu bleiben, dessen Glaubenssinn zu schätzen, sich auf die Fragen der Gläubigen einzulassen und die Armen nicht zu vergessen.
Schließlich mahnte er die Studierenden: "Je weiter wir uns von der ganzen Wirklichkeit entfernen, die der Sohn Gottes mit unendlicher Liebe angenommen und in die er sich hineinbegeben hat, desto weniger werden wir zu sagen haben und desto geringer wird unsere Fähigkeit sein, zu verstehen. Schwestern, Brüder, hören wir auf die Sehnsucht nach Gott, die heute erneut an unsere Tür klopft, und lassen wir sie in die wissenschaftliche Forschung einfließen."
In Rom gibt es 22 päpstliche akademische Institutionen, darunter Universitäten, Hochschulen, Fakultäten, Institute und Akademien. Die größte und bekannteste ist die von Jesuiten geleitete Universität Gregoriana mit mehr als 3.000 Studierenden. (KNA)