Blumen, Briefe und Grablichter auf einem Kindergrab.

Stein des Anstoßes

Friedhof - Bis über die Stadtgrenzen hinaus bewegt die Menschen das Schicksal des kleinen Jens Pascal – und das seines Grabsteins. Im Mai war der leidenschaftliche Borussia Dortmund-Fan im Alter von neun Jahren an einem Hirntumor gestorben. Auf seinem Grab auf dem Friedhof der katholischen Gemeinde Maria Heimsuchung in Dortmund-Bodelschwingh soll dem Entwurf zufolge ein Stein mit einem Fußball, dem Logo des BVB sowie mit dem Schriftzug "Echte Liebe" stehen. Der Kirchenvorstand der Gemeinde legte jedoch ein Veto ein. Bevor er das den Eltern mitteilte, hatten diese den Stein offenbar schon in Auftrag gegeben.

Bonn/Dortmund - 13.11.2012

"Der vorgelegte Entwurf für den Grabstein entspricht in mehreren Punkten nicht der Friedhofsordnung", sagt Michael Bodin von der Pressestelle der katholischen Kirche in Dortmund. "Neben einigen formalen Gründen ist das wichtigste, dass ein christlicher Bezug nicht zu erkennen ist". Wenn die Familie den Grabstein herstellen lasse, bevor der Bescheid über die Genehmigung vorliege, sei das ihr eigenes Risiko. Nach Angaben der Dortmunder Ruhr Nachrichten hatte die Gemeinde grundsätzlich der Bestattung auf dem Friedhof zugestimmt, obgleich Jens Pascal nicht getauft war und die Eltern keine Kirchenmitglieder sind.

Protest im Internet

Das Medienecho darauf ist groß. Auch im sozialen Netzwerk Facebook erzeugt der Streit um den Stein heftige Reaktionen. Allein die von den Eltern gegründete Facebook-Gruppe "Jens Pascal" hatte am Dienstagmittag über 120.000 Mitglieder, die mit teils heftiger Kirchenkritik nicht sparen. Intensiv diskutiert werden das Verhalten der Pfarrgemeinde und der Sinn von christlichen Symbolen auf Grabsteinen ebenso auf der Facebook-Seite von katholisch.de

Dass viele User und Leser das Verbot als unmenschlich empfinden und an die christliche Nächstenliebe der Verantwortlichen appellieren, kann Michael Bodin nur begrenzt nachvollziehen: "Man kann doch Christlichkeit nicht dadurch unter Beweis stellen, dass man seine eigene Christlichkeit – eben den Bezug auf den Glauben in dem Grabstein – aufgibt", so der Mitarbeiter der kirchlichen Pressestelle. Schließlich habe sich die Familie bewusst für den Friedhof der Gemeinde Mariä Heimsuchung entschieden: "Es wäre auch ein kommunaler Friedhof in der Nähe gewesen, aber die Familie hat einen katholischen Friedhof gewählt. Dann muss man eben auch damit rechnen, dass dort andere Regeln gelten".

Nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz es gibt zwischen 25.000 und 30.000 Friedhöfe in Deutschland, rund 3.500 davon sind in Trägerschaft der Kirche. Wie Gräber gestaltet werden dürfen, legt die jeweilige Friedhofssatzung fest, die bei öffentlich-rechtlichen Friedöfen von den Kommunen erlassen wird. Bei den letzten Ruhestätten in kirchlicher Trägerschaft ist das jeweilige Bistum für die Satzung zuständig, im konkreten Fall der Gemeinde Dortmund-Bodelschwingh Maria Heimsuchung das Erzbistum Paderborn .

Hoffnung auf Kompromiss

Auf vielen Friedhöfen steigt die Zahl individuell gestalteter Grabsteine mit nicht-christlichen Bildern und Symbole. Ebenso haben bereits zwei deutsche Fußballvereine auf den letzten Willen von so manchen Fan reagiert. Nach dem Vorbild des Fußballclubs Boca Juniors aus der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires hat der Hamburger Sport-Verein bereits vor zwei Jahren für Mitglieder und Fans ein eigenes Gräberfeld angelegt. Ende November soll zudem das Fan-Gräberfeld von Schalke 04 eröffnet werden.

Nach dem großen Ansturm von Facebook und in den Medien im Fall "Jens Pascal" habe die Gemeinde ihr früheres Gesprächsangebot an die Familie noch einmal schriftlich wiederholt, sagt Bodin. Von ihrem inhaltlichen Standpunkt weiche sie jedoch nicht ab.

Trotzdem kann sich Bodin gut vorstellen, dass doch noch ein Kompromiss gefunden wird, der sowohl dem Ansinnen der Eltern als auch dem Wunsch der Gemeinde gerecht wird. "Es geht ja nicht darum, den letzten Wunsch eines Kindes abzulehnen, der Bezug zum Fußball müsste meiner Meinung nach auch nicht völlig verschwinden. Sondern es geht darum, einen christlichen Bezug auf dem Grabstein zu schaffen. Wenn der erkennbar ist, dann könnte es sicher eine Kompromisslösung geben."

Update [17:03 Uhr]: Gut möglich, dass eine Einigung in greifbarer Nähe ist. Verschiedenen Medienberichten zufolge soll es bald ein Treffen zwischen den Eltern und der Kirchengemeinde geben, um eine einvernehmliche Lösung zu finden.

Von Gabriele Höfling, Christoph Meurer und Sarah Schortemeyer